Zinssignale, Stagflation & Dollar-Stärke: Wohin steuert der Goldpreis?

25.08.2025 11:04

Die mit Spannung erwartete Rede von U.S. Notenbankchef Jerome Powell am Freitagnachmittag in Jackson Hole wurde initial vom Markt dovish interpretiert und mit einem Kursfeuerwerk an den Börsen belohnt. Der Dow Jones erreichte nach Powells Rede ein neues Rekordhoch, während der Nasdaq trotz Erholung die Woche schwächer beendete. Der Goldpreis stieg um 1,2% auf 3.373 $ an, wobei der Großteil des Preisanstiegs auf die Dollarschwäche zurückzuführen war. Der Goldpreis in Euro blieb entsprechend nahezu auf dem gleichen Niveau bei 2.876 Euro je Feinunze. Der Silberpreis reagierte hingegen erratisch auf die Möglichkeit einer Zinssenkung mit einem Plus von über einen US-Dollar auf 38,86$, wobei eine kurzfristige charttechnische Konsolidierungsformation nach oben durchbrochen wurde, was ein bullisches Indiz ist.

Powell sagte jedoch, dass die Schwäche am Arbeitsmarkt „eine Anpassung des geldpolitischen Kurses rechtfertigen könnte“ und warnte gleichzeitig vor anhaltenden Inflationsrisiken, insbesondere durch neue Zölle und die stark steigenden Staatsausgaben. Diese könnten die Preise sowohl auf Konsumenten- als auch auf Produzentenebene weiter anheizen. Der Fed-Chef sprach damit das geldpolitische Dilemma in einer Stagflation klar an: Wachstums- und Beschäftigungsrisiken einerseits und Inflationsdruck andererseits.

Nach den Fed Funds Futures stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung am 17. September nach der Rede auf 90% an, fiel mittlerweile jedoch wieder auf nur noch 75%. Damit liegt sie nun niedriger als noch vor einer Woche oder vor einem Monat, als sie noch bei 95% bzw. 80% lag. Dies deutet darauf hin, dass Powells Rede nicht von allen als dovish interpretiert wurde. Was sind die Hintergründe für den Sinneswandel der Investoren?

Die Revisionen der Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft war zuletzt besorgniserregend. Die Zahlen für Mai und Juni wurden im jüngsten Arbeitsmarktbericht um 87 % bzw. 90 % gegenüber den ursprünglichen Werten dramatisch reduziert und auch die Zahlen für Juli 2025 waren nicht gerade inspirierend. Weiterhin stieg die PCE-Kerninflation im Juli um 0,1 % auf 2,9 % an. Immerhin liegt diese damit unter der prognostizierten Rate der Fed von 3 % bzw. 3,1 % für 2025. Vor der nächsten Sitzung des FOMC werden noch einmal neue Inflationszahlen für August veröffentlicht werden und ein Arbeitsmarktbericht Anfang September. Sollten sich die Arbeitsmarktdaten verbessern und die Inflation anziehen, könnte die Fed auf ihre Zinssenkung im September verzichten. Für die Märkte, sowie den Gold- und Silberpreis wäre dies kurzfristig ein belastender Faktor, während sich der US-Dollar erholen dürfte.

Dennoch, auch wenn ein stagflationäres Umfeld nicht gut für die Aktien- und Anleihenmärkte ist, ist es historisch betrachtet das perfekte Umfeld für eine Hausse am Gold- und Silbermarkt, sowie in deren Minenunternehmen.

Ausbruch bei Silber muss noch bestätigt werden

Der Ausbruch des Silberpreises am Freitag muss nun noch durch einen entsprechenden Ausbruch des Goldpreises bestätigt werden. Seit vier Monaten bewegt sich der Goldpreis in einer sich zunehmend verengenden Handelsspanne, sodass ein Ausbruch in Kürze wahrscheinlich ist. Daraus dürfte eine starke Preisbewegung entstehen, die der Silberpreis entweder vorweggenommen hat oder die sich im Nachhinein als Falle für die Bullen erweisen könnte.

Kommt es zu einem bullischen Ausbruch bei Gold, dürfte zunächst das Allzeithoch bei 3.500 $ erreicht und im Anschluss eine neue Rallye eingeleitet werden. Auf der anderen Seite ist auch ein bärisches Szenario mit einem Rücksetzer bis zur Unterstützung bei 3.000 $ je Feinunze möglich. Die kommenden Handelstage bleiben daher entscheidend und es gilt, den Goldpreis genau zu beobachten, um das Signal für die nächsten Monate nicht zu verpassen.

Der Silberpreis brach nach dem Bruch des Aufwärtstrends nicht ein, sondern konnte stattdessen einen kurzfristigen Abwärtstrend überwinden. Dies muss nun noch durch einen bullischen Ausbruch des Goldpreises bestätigt werden

US-Dollar und Euro an wichtigen technischen Marken

Der US-Dollar brach am Freitag nach der Rede von Jerome Powell in Jackson Hole ein und testete dabei einen wichtigen Unterstützungsbereich. Diametral gegensätzlich stieg der Euro bis an den Abwärtstrend bei 1,174 $, scheiterte jedoch an diesem Widerstand. Am Montag drehte sich das Bild komplett: Der US-Dollar machte seine Verluste wieder wett, während der Euro auf das Ausbruchsniveau vor Powells Rede bei 1,16 $ zurückfiel und dabei fast 1,4 US-Cent verlor.

Charttechnisch ist der Euro am Terminmarkt massiv überkauft und der Dollar überverkauft. Das erneute Scheitern des Euro am Abwärtstrend könnte eine Korrektur in den Bereich von 1,14 $ oder sogar 1,12 $ nach sich ziehen. In diesem Fall dürfte auch der USD-Index über die Marke von 100 Punkten steigen und eine stärkere Erholungsbewegung starten. Ein stärkerer Dollar würde den Gold- und Silberpreis tendenziell unter Druck setzen und könnte zu einem Ausbruch aus deren Handelsspanne nach unten führen. Daher sollte man den Euro und den US-Dollar nun genau im Blick behalten, einerseits wegen der direkten Auswirkungen auf Edelmetalle und Kryptomärkte und andererseits weil sich beim EUR/USD ein attraktives Short-Setup gebildet hat, das bereits mit einem Einstieg am Abwärtstrend und engem Stop-Loss handelbar war. Mit etwas Glück sind weitere 2 bis 4 US-Cent nach unten möglich.

Der Euro erholte sich am Freitag, scheiterte jedoch am Abwärtstrend

Kryptomärkte angeschlagen und an entscheidender Unterstützung

Wie so oft reagierten die Kryptomärkte besonders stark auf die geldpolitischen Signale. Direkt nach der Rede legte Bitcoin um 4 % zu, während Ethereum mit einem Plus von 13 % sogar ein neues Allzeithoch bei fast 4.890 $ erreichte. Über das Wochenende setzte jedoch Ernüchterung ein, und am Montag fielen die Kurse wieder auf das Niveau vor dem FOMC zurück.

Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen reagieren traditionell sehr sensibel auf geldpolitische Nachrichten. Eine Rezession könnte die Märkte in einen Bärenmarkt drücken, während geldpolitische Lockerungen weiteres Aufwärtspotenzial eröffnen würden. Der Bitcoin fiel zuletzt zurück in eine wichtige Unterstützungszone zwischen 110.000 und 112.000 $. Sollte diese Zone nicht halten, während die Fed keine Zinssenkungen vornimmt, droht eine deutlich stärkere Korrektur am gesamten Kryptomarkt.

Der Bitcoin handelt aktuell an einer wichtigen Unterstützungszone – bricht diese, könnte der Kurs schnell wieder fünfstellig werden

Technische Analyse: Starke Preisbewegung am Goldmarkt steht bevor!

Terminmarkt: COT-Report

Der COT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die COT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.

COT-Analyse vom 22. August:

Der Goldpreis fiel zur Vorwoche um 40 $, während die Spekulanten in dieser Zeit mit 13 Tsd. Kontrakten Short gingen. Das ist eine neutrale Entwicklung zur Vorwoche. Der COT-Index hat sich um 5 Punkte auf 32 Punkte verbessert, wobei sich der COT-Index zum Open Interest ebenfalls um 4 Punkte verbessert hat auf 11 Punkte und damit immer noch relativ nah am Verkaufsbereich ist.

Es ist bemerkenswert, dass der Goldmarkt selbst auf dem aktuell hohen Niveau noch immer ausgeglichen zu sein scheint. Zum Vormonat zeigt sich ebenfalls ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage am physischen Markt. Insgesamt ist der Terminmarkt für Gold weiterhin überkauft, zeigt aber bis dato noch kein klares Zeichen von Schwäche.

Sollte die Investmentnachfrage aufgrund exogener Faktoren wieder zunehmen, ist ein Ausbruch nach oben aus der aktuellen Handelsspanne möglich. Auf der anderen Seite könnten exogene Faktoren auch dafür sorgen, dass die Investmentnachfrage abnimmt und der Goldpreis in eine Korrektur übergeht, was bei den aktuell stark überkauften Terminmarktdaten durchaus realistisch ist.

Ein gutes Setup für Trader gibt es derzeit nicht, doch es zeigt sich immerhin ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage am physischen Markt auf diesem hohen Preisniveau, was Hoffnung für die Bullen lässt.

Im letzten drei Monaten zeigte sich der Goldmarkt neutral auf hohem Preisniveau
Der Short-Squeeze der BIG4 an der COMEX scheint abgeschlossen zu sein

Wir sehen nun bereits den vierten Monat in Folge neutrale Terminmarktdaten, was nach eineinhalb Jahren mit einem physischen Defizit am Goldmarkt eine spürbare Beruhigung darstellt. Der Short-Squeeze der großen Händler an der COMEX, der den Goldpreis bis auf ein Allzeithoch getrieben hatte, scheint abgeschlossen zu sein. Aus dieser Richtung ist vorerst kein weiterer Kaufdruck zu erwarten.

Das ausgeglichene Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage deutete in den vergangenen zwei Monaten darauf hin, dass der Goldpreis zunächst innerhalb einer Spanne zwischen 3.000 $ und 3.500 $ konsolidieren dürfte. Genau das ist eingetreten, allerdings hat sich die Handelsspanne mittlerweile deutlich verengt und umfasst nur noch etwa 100 $.

Trotz der Aussicht auf eine Zinssenkung im September nach der Rede von Jerome Powell am Freitag in Jackson Hole, konnte der Goldpreis bislang nicht aus seiner sich weiter verengenden Handelsspanne ausbrechen. Ein Anstieg über den Abwärtstrend bei Kursen oberhalb von 3.400 $ würde wahrscheinlich neue Investmentnachfrage anziehen und den Goldpreis zunächst auf das Allzeithoch bei 3.500 $ führen. Von dort aus könnte eine durch verstärkte Käufe getriebene Rallye entstehen, die den Preis deutlich höher tragen würde.

Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit, dass der Goldpreis seinen Aufwärtstrend bei aktuell 3.300 $ nicht halten kann und in Richtung der wichtigen Unterstützung bei 3.000 $ zurückfällt. Die weitere Entwicklung hängt nun stark von den kommenden Wirtschaftsdaten und den Zinssenkungserwartungen ab. Aus charttechnischer Sicht bietet es sich für Trader an, die Handelsspanne auf beiden Seiten zu spielen und einen Ausbruch prozyklisch zu kaufen oder zu verkaufen. Nach vier eher ruhigen Monaten am Goldmarkt könnte damit bald eine deutlich volatilere Phase beginnen.

Trotz mehrerer Trendbrüche hält sich der Goldpreis bis dato stark auf hohem Niveau

Goldpreis in Euro

Der Goldpreis in Euro handelt derzeit rund 130 Euro unter seinem Allzeithoch und hat seitdem mehrere Aufwärtstrends gebrochen. Charttechnisch besteht die Möglichkeit eines Rücksetzers in den Bereich um 2.650 Euro je Feinunze, falls auch der letzte kurzfristige Aufwärtstrend bricht. Auf der anderen Seite würde sich das Bild deutlich aufhellen, wenn der Abwärtstrend mit Kursen über 2.930 Euro je Feinunze überwunden wird. In diesem Fall wäre die mehrmonatige Konsolidierung abgeschlossen und ein erneuter Anstieg um 200 bis 300 Euro denkbar.

Aktuell gilt es, den Goldpreis eng zu beobachten und kurzfristig zu agieren. Über dem Abwärtstrend wird das Chartbild bullisch und man sollte auf der Käuferseite sein. Solange sich der Preis darunter bewegt, bleibt hingegen das Risiko einer Korrektur von bis zu 250 Euro je Feinunze bestehen.

Das Chartbild für den Goldpreis in Euro ist etwas angeschlagen

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