Trump drückt den US-Dollar – Fed dovish – Gold über 5.600 $
Zu Wochenbeginn sprang der Goldpreis über die Marke von 5.000$ und erreichte zum Handelsstart am Donnerstag bereits 5.602$, was einem Plus von 12% entspricht. Damit liegt Gold seit Jahresbeginn schon 30% im Plus, nachdem im Vorjahr bereits ein Anstieg von 64% zu Buche stand. Die Kaufpanik und die Angst, etwas zu verpassen, nahm noch einmal zu, nachdem Äußerungen von US-Präsident Donald Trump die Talfahrt des US-Dollars deutlich beschleunigten, worauf der USD-Index wichtige technische Unterstützungen nach unten durchbrach. Mehr dazu lesen sie weiter unten im Marktkommentar.
Der Silberpreis erlebte in den letzten drei Monaten eine parabolische Beschleunigung und stieg heute auf über 120$ je Feinunze an, was einem Plus von 155% entspricht. Noch Anfang November handelte Silber zwischen 46 $ und 50 $ je Feinunze und damit unter den historischen Hochs aus 1980 und 2011. Am Montag stieg der Preis intraday um 12,5 % auf 117,74 $, nur um am Abend wieder um 15,9% zurück auf 102,6$ zu fallen, was die spekulative Manie widerspiegelt.
Bis Mitte 2025 hatte sich der Silberpreis zuvor über mehr als ein Jahr in einer engen Handelsspanne von rund 5$ bewegt, ohne dass sich am Markt ein Defizit abzeichnete, während Gold im selben Zeitraum von Rekord zu Rekord lief. Parallel dazu setzten Investoren zunehmend auf eine Aufholjagd bei Silber, obwohl Fundamentaldaten und das Preisverhalten der Vorjahre diese Dynamik nur begrenzt stützten. Die stark steigende Investmentnachfrage wurde schließlich zur selbsterfüllenden Prophezeiung in einem relativ kleinen Silbermarkt. Der Preis zog an und inzwischen sind Tagesschwankungen von 5$ bis 10$ die neue Normalität. Der starke Preisanstieg selbst ist mittlerweile der zentrale Treiber der Rallye. Immer mehr Investoren und Spekulanten kaufen in Panik, um eine weitere Bewegung von nochmals 100% oder 200% nicht zu verpassen, obwohl das kurzfristige Chance Risiko Verhältnis deutlich schlechter geworden ist und die Volatilität spürbar zugenommen hat.
Die Fed hatte am gestrigen Abend beim FOMC-Meeting den Leitzins wie erwartet unverändert in der Spanne von 3,50% bis 3,75% belassen und signalisiert, dass sie vorerst abwartet, um die weitere Konjunkturentwicklung zu beurteilen. Fed Chair Jerome Powell bezeichnete das aktuelle Zinsniveau als plausibel neutral und verwies zugleich darauf, dass die Zinsen eher am oberen Ende dieser neutralen Bandbreite liegen. Die Kommunikation deutet damit an, dass die Fed den restriktiven Charakter der Geldpolitik bereits deutlich reduziert sieht, ohne jedoch eine unmittelbare Lockerung als zwingend zu signalisieren. Dies war scheinbar dovish genug, denn der Goldpreis stieg in den Folgestunden um weitere 300$ an. Auf Nachfrage zu den starken Kursbewegungen bei Gold und Silber erklärte Powell, die Fed „ziehe aus Edelmetallen keine großen makroökonomischen Schlussfolgerungen“.
Gold: Stärkste Rallye seit 1980
Mit dem heutigen Preisanstieg kann der Goldpreis eine Rendite von 102% binnen eines Jahres verbuchen, was der zweitstärkste Anstieg in der Geschichte des Goldpreises ist. Eine vergleichbare Rallye war zuletzt 1980 zu beobachten, zum Ende eines Stagflationsjahrzehnts in den USA, das von zweistelligen Inflationsraten und persistenter Rezession und Stagnation geprägt war. Angesichts einer Inflationsrate von 2,7% in den USA und 1,9% in den USA, ist diese Rallye umso außergewöhnlicher.
Auf Sicht der letzten zwei Jahre ist die Performance von Gold noch eindrucksvoller. Nach dem Preisanstieg in der letzten Nacht liegt der Goldpreis in diesem Zeitraum mit über 177 Prozent im Plus und damit handelt es sich um den stärksten zweijährigen Anstieg seit 1980. Aus analytischer Sicht ist das ein klarer Hinweis auf einen reifen, weit gelaufenen Trend, der zwar intakt bleiben kann, dessen Aufwärtstempo jedoch erfahrungsgemäß nicht linear fortgeschrieben werden sollte. Gold dürfte sich strukturell weiter fest präsentieren, doch auf dem aktuellen Niveau wird die Volatilität spürbar zunehmen. Eine mehrmonatige Konsolidierung im weiteren Jahresverlauf wäre vor diesem Hintergrund nicht nur plausibel, sondern auch marktmechanisch gesund, weil sie eine Überhitzung abbaut, spekulative Positionierungen bereinigt und dem Trend eine langfristig stabilere Basis geben kann.
Gold-Silber-Ratio erreicht Extremwerte
Silber kann mittlerweile eine Jahresrendite von 283% vorweisen, was ebenfalls den stärksten Anstieg seit 1980 darstellt, diesmal nahezu aus dem Stand und binnen weniger Monate, während sich vergleichbare Extremphasen historisch oft über mehrere Jahre aufgebaut haben. Silber tendiert in Aufwärtsphasen dazu, Gold zu hebeln und gerade gegen Ende eines Bullenmarktes überproportional zu laufen, wenn Spekulation und Manie deutlich zunehmen. Der historische Vergleich der Jahresrenditen mahnt deshalb zur Vorsicht, insbesondere am Silbermarkt, weil solche Beschleunigungen selten nachhaltig sind und häufig in eine Phase hoher Volatilität und scharfer Rücksetzer übergehen.
Die Zweijahresrendite von Silber ist mit einem Anstieg von 440 % noch beeindruckender und nähert sich damit dem Niveau der finalen Hausse um 1980. Genau diese Renditehistorie ist zugleich ein Warnsignal, denn auf Phasen extremer Outperformance folgten in der Vergangenheit nicht selten schwächere oder sogar negative Jahre. Das macht deutlich, dass starke Korrekturen jederzeit auftreten können, besonders dann, wenn das makroökonomische Umfeld kippt und Rezessionsrisiken zunehmen. Sollte sich die Konjunktur spürbar abschwächen oder sollten geopolitische Störungen die Risikoneigung belasten, wäre ein deutlicher Rückgang des Silberpreises vorstellbar. Vor diesem Hintergrund ist Demut angebracht und es empfiehlt sich, Gewinne sukzessive abzusichern. Wie man erfolgreich physische Bestände über den Terminmarkt absichert, erfährt man als Premium-Abonnent auf www.blaschzokresearch.de .
Gold-Silber-Ratio fällt auf 43
Nachdem der Silberpreises aus dem Stand so stark anstieg, fiel das Gold-Silber-Ratio von 100 im April auf 85 Anfang November und halbierte sich nun binnen zwei Monaten auf 43 am Montag. Diese jüngste Bewegung ist momentumgetrieben und viel spekulatives Kapital floss zuletzt in den Silbermarkt und ETF-Produkte. Die starke Investmentnachfrage sorgt in dem zum Gold vergleichsweise kleinen Silbermarkt für ein Defizit, wodurch der Preis aktuell in den Himmel steigt. Am Ende der Edelmetallhausse von 2000 bis 2011 fiel das Ratio kurzzeitig sogar bis auf 32, um in den Folgejahren bis auf 120 anzusteigen.
Der Silberpreis hat inzwischen ein Niveau erreicht, auf dem Silber kurzfristig gegenüber Gold überteuert wirkt. Bei einem Gold Silber Ratio von 44 erscheint es aus spekulativer Sicht sinnvoll, Silber zugunsten von Gold zu reduzieren, wenn man den Inflationsschutz über Edelmetalle weiterhin beibehalten will. Eine weitere kurzfristige Outperformance von Silber ist zwar möglich, doch auf längere Sicht wirkt sie deutlich weniger wahrscheinlich. Im Gegenteil rechne ich damit, dass das Gold-Silber-Ratio in den kommenden Jahren wieder in Richtung 100 laufen wird. In diesem Szenario würde ein disziplinierter Wechsel von Silber in Gold das Chance Risikoprofil verbessern und langfristig eine spürbare Outperformance ermöglichen.
Auf diesem Niveau spricht daher mehr dafür, jetzt Gewinne konsequent zu sichern und gegebenenfalls in Gold umzuschichten, als noch prozyklisch zusätzliches Risiko in Silber aufzubauen.
US-Dollar: Abverkauf unter wichtigen Aufwärtstrend
Der US-Dollar-Index (DXY) war in sechs Handelstagen um über 3 % auf ein 4-Jahrestief gefallen, wobei ein wichtiger langfristiger Aufwärtstrend gebrochen wurde. Diametral gegensätzlich dazu stieg der Euro zeitweise auf knapp 1,21 $ an. Damit heizt sich das seit rund einem Jahr extrem bärische Sentiment gegenüber dem Greenback weiter auf. Die Daten der US-Terminmarktaufsicht CFTC belegen, dass Spekulanten seit dem letzten Zyklustief des US-Dollars in 2021 nicht mehr so viele Shortpositionen hielten. Daher birgt die aktuelle Situation das Risiko eines Short-Squeeze und wäre antizyklisch eher das Setup für eine Erholung des US-Dollars, anstatt für einen weiteren Einbruch.
Die jüngste Stützung des japanischen Yen durch die US-Notenbank im Auftrag des US-Finanzministeriums, hatte kürzlich für weiteren Verkaufsdruck auf den US-Dollar genau an jener technischen Schlüsselunterstützung gesorgt. Vorgestern Abend brachten schließlich neue Aussagen Trumps in Iowa das Fass zum Überlaufen.
Trump signalisierte in dem Interview, dass eine weitere Abwertung des US-Dollars zumindest in Kauf genommen, wenn nicht sogar gewünscht, sei und der US-Dollar „sein eigenes Level finden müsse“. Auf die Frage, ob er sich Sorgen über Verluste beim Dollar mache, antwortete Trump am Dienstag gegenüber Reportern in Iowa: „Nein, ich finde das großartig.“
Durch diesen verbalen Eingriff brach letztlich der Aufwärtstrend des USD-Index und nun werden am Markt bereits tiefere Zielbereiche bis in den Bereich um 93 diskutiert. Man sollte nun genau beobachten, ob der US-Dollar tatsächlich weiter abgibt oder sich erholen und das Ausbruchsniveau zurückerobern kann. Letzteres wäre extrem bullisch und könnte den Anfang einer Rallye bis in den Bereich um die 120 Punkte nach sich ziehen in den nächsten 12-18 Monaten. Ein stärkerer US-Dollar würde das Narrativ des Debasement-Trades unterminieren und könnte das vorübergehende Ende bzw. eine Pause der historisch starken Rallye der Edelmetalle einleiten. Die weitere Entwicklung des USD-Index ist also kurzfristig äußerst interessant für Trader und Investoren am Gold- und Silbermarkt.
US-Finanzminister Scott Bessent ruderte nun bereits zurück und sagte gegenüber CNBC-Moderatorin Sara Eisen, dass „die USA stets eine starke Dollarpolitik verfolgen” und dass „die USA derzeit absolut nicht in den Dollar-Yen-Kurs eingreifen.“ Dies führte zu einer sofortigen Schwäche des Yen und einer Dollarstärke. Es bleibt spannend und Gold- und Silberbugs sollten nun ein genaues Auge auf den US-Dollar werfen.
Technische Analyse: Goldpreis erreicht 5.600$
Terminmarkt: COT-Report
Der COT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die COT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.
COT-Analyse vom 20. Januar:
Die neuesten Terminmarktdaten für Gold bestätigen weiterhin eine Stärke und ein Defizit am physischen Markt, das durch starke Investmentnachfrage in ETF-Produkte und Münzen und Barren verursacht wird. Der Preis stieg gegenüber der Vorwoche um 176$ und gleichzeitig haben sich die COT-Daten sogar verbessert. Die Investmentnachfrage bleibt damit klar robust, auch wenn sich die COT-Daten weiterhin im Verkaufsbereich bewegen und der Terminmarkt technisch überkauft wirkt. Bei Silber ist das Bild am Terminmarkt aktuell konstruktiver als bei Gold, was auf eine relativ bessere Marktstruktur hindeutet. Trotzdem bleibt das Risiko für Korrekturen hoch, denn die Luft ist auf diesem Niveau dünn und das signalisiert der Terminmarkt sehr deutlich. Solange die ETF-Zuflüsse jedoch auf diesem hohen Niveau verbleiben, ist ein weiterer Anstieg bei Gold theoretisch möglich, auch wenn das Chance Risiko Verhältnis zunehmend asymmetrisch wird. Ebbt die Investmentnachfrage ab, droht ein Long Drop am Terminmarkt mit entsprechend starken Preisrücksetzern.
Volatilität nimmt zu – Luft wird dünn – starke Rücksetzer möglich
Mit dem jüngsten Anstieg des Goldpreises über 5.000 $ auf 5.600$ bricht Gold erneut alle Rekorde. Seit dem letzten Kaufsignal bei rund 4.200 $ konnte der Preis um mehr als 1.000 $ zulegen. Allein seit letztem September beträgt der Anstieg damit rund 1.800 $, eine Rallye, die in dieser Geschwindigkeit kaum jemand für realistisch gehalten hätte. Aus analytischer Sicht ist die Lage damit klar überdehnt, die Luft ist sehr dünn und das Rückschlagpotenzial entsprechend groß. Solange die manische Phase anhält, kann sich die Bewegung zwar weiter fortsetzen, doch gerade in einer Fahnenstange steigt die Wahrscheinlichkeit, dass bereits das Brechen wichtiger kurzfristiger Unterstützungen starke und scharfe Rücksetzer nach sich ziehen.
Entscheidend ist, dass die starke Investmentnachfrage nicht ewig in dieser Intensität durchhalten wird. Früher oder später setzen Gewinnmitnahmen ein und dann werden auch Long Drops am Terminmarkt möglich. Besonders kritisch ist dabei der Terminmarkt, der bei Gold deutlich überkauft ist. In solchen Phasen können Rücksetzer schnell eskalieren und kaskadenartige Liquidierungen nach sich ziehen. Das spricht für erhöhte Disziplin, klare Risikobegrenzung und konsequent platzierte Stops im Markt. Prozyklisch Long zu handeln ist grundsätzlich noch möglich, aber auf diesem Niveau nur mit deutlich erhöhter Vorsicht. Technisch ergibt sich kurzfristig durchaus Korrekturpotenzial bis in den Bereich des nächsten übergeordneten Aufwärtstrends um 4.500 $.
Goldpreis in Euro – Test der 200-Tagelinie möglich
Der Goldpreis in Euro bricht ebenfalls alle Rekorde und konnte bis auf rund 4.600 € ansteigen. Seit September des letzten Jahres entspricht das einem Preissprung von über 1.600 € je Feinunze. Die 200 Tage-Linie verläuft aktuell bei rund 3.200 € und der langfristige Aufwärtstrend liegt bei etwa 3.100 €, was das Rückschlagpotenzial nach der jüngsten Überdehnung klar quantifiziert. Nach einem möglichen Blow off Top sind derart starke Rücksetzer durchaus denkbar, weshalb konsequentes Stopp Management jetzt zwingend ist.
Kurzfristig ist der Anstieg technisch spekulativ überdehnt und bietet auf diesem Niveau eher ein ungünstiges Chance Risiko Verhältnis nach oben, insbesondere auf mittelfristige Sicht. Solange die Rally läuft, kann man trendfolgend weitere technische Ausbrüche aus Konsolidierungsformationen kaufen, allerdings nur mit hoher Disziplin, weil der Markt jederzeit drehen hart korrigieren kann. Genau solche Bewegungen dürften in der nächsten Zeit zur Normalität werden, hohe Volatilität sowohl nach oben als auch nach unten. Der Abverkauf bei Silber am Montag mit einem intraday Rückgang von 15 % zeigt, wie abrupt die Stimmung kippen kann. Für Trader ergeben sich damit auch auf der Short Seite Chancen, allerdings nur, wenn das Timing stimmt und das Risiko strikt begrenzt bleibt, denn Gegenbewegungen können in diesem Umfeld genauso explosiv ausfallen wie die Rally selbst.