Technische Analyse Silber: Hohe Volatilität an entscheidenden Aufwärtstrend!

20.05.2026 21:10

Terminmarkt: COT-Report

Der COT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die COT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.

COT-Report für Silber vom 15. Mai:

Der Silberpreis stieg zur Vorwoche um gigantische 13,94 $, ein Plus von 19 % binnen einer Woche. In dieser Zeit gingen die Spekulanten gerade einmal mit 3 Tsd. Kontrakten Long. Der COT-Index hat sich nur minimal um 5 Punkte auf 67 Punkte verschlechtert, während der COT-Index zum Open Interest adjustiert nur um einen Punkt auf 34 Punkte fiel.

Hier zeigt sich, dass es zu Beginn des Monats eine starke physische Nachfrage gab und der Preis deshalb kurzzeitig stark gestiegen ist. Spekulanten sprangen dann letztlich darauf auf, doch wie wir im nächsten COT-Report sehen werden, dürfte sich dann wieder Schwäche zeigen.

Es handelte sich hier um ein isoliertes, kurzfristiges Ereignis, aufgrund vorgezogener indischer Käufe, im Vorfeld einer Änderung in der Steuergesetzgebung, das nicht repräsentativ für die weitere Entwicklung des Silbermarktes ist. Insgesamt sind die Terminmarktdaten für Silber mit dem COT-Index zum Open Interest adjustiert von nur 34 Punkten eher nahe dem Verkaufsbereich und der Silbermarkt ist tendenziell überkauft.

Es gibt also jede Menge Long-Drop-Potenzial, wenn der Aufwärtstrend gebrochen wird. Deshalb sollte man vorsichtig sein. Bei einem Bruch des Aufwärtstrends heißt es sofort, die Reißleine zu ziehen und Gewinne mitzunehmen. Auf der anderen Seite haben die Spekulanten noch etwas Luft, um den Preis in dem kleinen engen Markt tendenziell weiter nach oben zu treiben.

Der Terminmarkt ist neutral bis überkauft, womit es bei dem Bruch wichtiger Unterstützungen einen schnellen Preiseinbruch geben kann
Die großen vier Händler an der COMEX halten nur eine relativ geringe Shortposition in Höhe von 38 Tagen der Weltproduktion

Der Silberpreis fand nahe seines Aufwärtstrends ein Tief und ging zunächst in eine Konsolidierung über, bevor er in der vorletzten und letzten Woche um mehr als 20 % auf fast 90 $ anstieg. Getrieben wurde diese Bewegung einerseits durch Spekulanten, die am Aufwärtstrend ihre Short-Positionen eindeckten und anschließend auf die Long-Seite wechselten. Andererseits kam offenbar zusätzliche Nachfrage aus Indien auf, da Unternehmen Käufe vorzogen, bevor eine neue Steuergesetzgebung in Kraft trat. Diese vorgezogene Nachfrage verstärkte die ohnehin laufende technische Erholung und trug zur dynamischen Rallye am Silbermarkt bei.

Der starke Preisanstieg der vorletzten Woche wurde vollständig negiert, womit der Silberpreis wieder auf Ausgangsniveau zurückfiel

Die indische Regierung hatte überraschend angekündigt, die Importabgaben auf Gold und Silber am 12. Mai von 6 % auf 15 % anzuheben. Hintergrund dieser Maßnahme war der Versuch, die hohe Edelmetallnachfrage einzudämmen, den Abfluss von Devisen zu begrenzen und das Handelsdefizit zu stabilisieren.

Offenbar führte diese kurzfristige Entscheidung unmittelbar vor Inkrafttreten der neuen Regelung zu erheblichen Vorzieheffekten bei Importeuren, Händlern und industriellen Käufern. Viele Unternehmen dürften versucht haben, ihre Lagerbestände noch schnell zu den alten Konditionen aufzufüllen, bevor die deutlich höheren Abgaben wirksam wurden.

Genau dieses Bild zeigt sich auch in den Terminmarktdaten. Der Silberpreis stieg innerhalb kurzer Zeit extrem stark an, ohne dass sich die Positionierung der Spekulanten am Terminmarkt wesentlich verändert hätte. Das spricht dafür, dass die Rallye primär durch physische Käufe und nicht durch Spekulanten getrieben wurde.

Die starke physische Nachfrage führte kurzfristig zu einer Verknappung am Markt und zog anschließend zusätzliche Spekulanten an. Nachdem diese Sondernachfrage abgearbeitet war, fiel der Preis jedoch schnell wieder zurück. Viele Spekulanten dürften die Rallye genutzt haben, um Gewinne mitzunehmen oder auf die Shortseite zu wechseln, während andere Marktteilnehmer die hohen Preise für Absicherungsgeschäfte nutzten. Das spricht dafür, dass es sich eher um ein kurzfristiges Sondereignis als um eine nachhaltige strukturelle Stärke des Silbermarktes gehandelt haben dürfte.

Mittelfristig wirken höhere Importabgaben in Indien eher nachfragedämpfend auf den Silberpreis. Nach der Phase der vorgezogenen Käufe könnte daher wieder eine schwächere Nachfragephase folgen, sofern keine neue Investmentnachfrage in den Markt kommt.

In den vergangenen Monaten konnten wir den Silbermarkt sehr erfolgreich handeln. Wir gingen bei 53 $ Long Anfang Dezember und kauften sukzessive zu, wobei es uns gelang nahe dem Allzeithoch ein Verkaufssignal bei 116 $  zu geben, was ich in verschiedenen Publikationen veröffentlichte. Bei 72$ deckten wir die Short-Positionen ein und waren bis 94$ erneut Long positioniert, bevor wir dort wieder Short gingen und bei 64$ erneut die Gewinne eindeckten und erneut kauften um bei 83$ erneut zu Shorten, wobei wir dann bei 73$ letztlich die Gewinne mitnahmen und Shorts eindeckten.

Seit Anfang Mai halten wir uns nun erstmals seit Monaten zurück und sind passiv, da wir mit einer hochvolatilen Seitwärtsbewegung rechnen in den nächsten Wochen, die man nur im Daytrading nutzen kann.

Erst dann, wenn der Goldpreis aus seiner eingekeilten Situation ausbrechen kann, gibt es eine neue Richtungsentscheidung auch für den Silberpreis. Wichtig für den Silberpreis ist, dass der Aufwärtstrend intakt bleibt, sonst droh ein erneuter starker Sell Off.

Die Handelssignale der letzten Monate am Silbermarkt waren sehr treffend

Im Zwei-Jahres-Chart zeigt sich, wie wichtig der mittelfristige Aufwärtstrend für den Silberpreis ist. Nach dem dynamischen Ausbruch über 35,50 $ und dem anschließenden Bruch des Widerstands sowie des Allzeithochs bei 50 $ beschleunigte sich der Anstieg exponentiell, bevor die scharfe Korrektur einsetzte. Solange dieser Aufwärtstrend intakt bleibt, kann der Silberpreis grundsätzlich weiter steigen.

Gleichzeitig gibt es jedoch zahlreiche Risikofaktoren. Steigende Zinsen, der Krieg im Mittleren Osten und hohe Energiepreise belasten die Wirtschaft und damit auch die industrielle Nachfrage nach Silber. Entsprechend bleibt dieser Aufwärtstrend gefährdet. Sollte er brechen, läge die nächste wichtige Unterstützung bei 50 $. Darunter wäre ein Rücksetzer in den Bereich um 38 $ bis 40 $ je Feinunze möglich.

Sollte der Goldpreis aus seiner aktuellen Konsolidierungsformation nach unten ausbrechen, wäre genau dieses Korrekturszenario beim Silberpreis am wahrscheinlichsten. Gelingt dem Goldpreis hingegen ein bullischer Ausbruch mit einem neuen Allzeithoch, dürfte auch Silber wieder in Richtung seines Allzeithochs bei 120 $ laufen, während der Aufwärtstrend verteidigt würde.

Solange der Aufwärtstrend intakt ist, bleibt das charttechnische Bild bullisch – bricht der Aufwärtstrend, ist ein weiterer Rücksetzer wahrscheinlich

Langfristige Analyse

Im Langfristchart zeigt sich weiterhin, dass der Silberpreis bis Mitte des vergangenen Jahres in einer sehr engen Handelsspanne von nur rund 5 $ verharrte. Erst mit dem Ausbruch über 35 $ zur Jahresmitte setzte die steile Rallye ein, die sich oberhalb des alten Allzeithochs bei 50 $ nochmals exponentiell beschleunigte.

Sollte der Goldpreis stärker korrigieren und sich die Konjunkturaussichten weiter eintrüben, wäre ein Rücksetzer des Silberpreises bis an die ehemalige Ausbruchszone bei rund 50 $ durchaus denkbar. Mit dem Tief bei 64 $ wurde diese Zone bereits fast erreicht. Kommt es zu einem weiteren Abverkauf und gleichzeitig zu einer Bereinigung am Terminmarkt, könnte auch die Marke von 50 $ getestet werden. Im ungünstigsten Fall einer Rezession oder eines stärkeren Einbruchs am Aktienmarkt in einem deflationären Umfeld wären sogar nochmals Kurse unter 40$ möglich. Dort läge langfristig ein sehr attraktives Chance-Risiko-Verhältnis mit einem klar antizyklischen Kaufsignal. Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Charttechnisch und massenpsychologisch wäre ein Test des Ausbruchsniveaus bei 50 $ im weiteren Jahresverlauf jedoch realistisch.

Der Silbermarkt war in den vergangenen Monaten deutlich volatiler als in den Vorjahren, in denen sich der Preis nur in einer engen Spanne bewegte. Mittel- bis langfristig rechne ich damit, dass die Volatilität wieder abnimmt und sich der Markt beruhigt. Kurzfristig dürfte Silber jedoch volatil bleiben, wahrscheinlich über das gesamte Jahr hinweg. Genau daraus ergeben sich Chancen auf der Long-Seite wie auch auf der Short-Seite.

Bullisch für Silber wäre ein weiterer Anstieg des Goldpreises infolge exogener Faktoren, etwa eines großen Krieges oder einer sehr lockeren Fiskal- oder Geldpolitik. In diesem Fall würde Silber durch eine zunehmende Investmentnachfrage mit nach oben gezogen. Aktuell ist dieses Szenario jedoch nicht absehbar und bleibt daher reine Spekulation, auf die man nicht setzen sollte. Wir bleiben deshalb eng am Markt, handeln die kurzfristigen Signale und behalten zugleich das physische Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Blick, um bestmögliche Trading-Ergebnisse zu erzielen.

Der Silberpreis erreichte ein neues Allzeithoch bei 121,78$, doch könnte es eine weitere Korrektur auf das Ausbruchsniveau bei 50$ geben, wenn der steile Aufwärtstrend bricht

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