Starke physische Goldnachfrage im Januar

21.02.2025 07:14

Der Goldpreis legte die neunte Woche in Folge zu, um 1,5% auf 2.930$ je Feinunze, womit die psychologisch bedeutende Marke von 3.000 $ weiterhin in Reichweite bleibt. Der Preis des Weltgeldes ist in US-Dollar gerechnet seit Jahresbeginn um über 11% angestiegen, während der S&P 500 in der gleichen Zeit nur 4% zulegte.

Auch der Silberpreis wurde von diesem Aufwärtstrend mitgezogen und stieg um 1,8% auf 33$ an. Während sich in der Vorwoche noch eine leichte Schwäche am Silbermarkt zeigte, bleibt der Goldmarkt aufgrund einer starken physischen Nachfrage durch Zentralbanken und anonyme Käufer äußerst robust, während diese Nachfrage am Silbermarkt fehlt. Im Gegenteil könnte während einer Rezession die industrielle Nachfrage nach Silber vorübergehend erheblich nachlassen, was das Gold-Silber-Verhältnis erneut in die Höhe treiben würde, wobei Werte von bis zu 120 Unzen Silber pro Unze Gold wieder möglich sind. Historisch gesehen stieg das Gold-Silber-Ratio in jeder Rezession deutlich an. Sollte sich ein ähnliches Muster wiederholen, könnte dies eine günstige Gelegenheit bieten, Gold in Silber umzuschichten. Es wäre durchaus möglich, dass das Verhältnis in den darauffolgenden Monaten rasch wieder auf 80 bis 90 Unzen Silber je Feinunze Gold zurückkehrt. Mit einem aktuellen Stand von etwa 90 Unzen ist das Ratio bereits sehr hoch, was die Schwäche von Silber gegenüber Gold im letzten Jahr widerspiegelt und damit nicht unbedingt ein gutes Omen für den Silberpreis ist.

In einer Rezession könnte das Gold-Silber-Ratio weiter ansteigen

Starke Investmentnachfrage in ETF-Produkte im Januar

Die neuerliche Stärke von Gold im Januar war einer verstärkten Investmentnachfrage, sowie starken Abflüssen in die USA zu verdanken. Es gab einen Nettozufluss von 3 Milliarden US-Dollar in weltweite ETF-Produkte, wobei besonders Europa eine führende Rolle spielte, während Nordamerika weiterhin Netto-Verkäufer blieb. Europäische Fonds verbuchten mit 3,4 Milliarden US-Dollar den größten monatlichen Zufluss seit März 2022, angeführt von einer starken Nachfrage aus dem Vereinigten Königreich und Deutschland. Das verwaltete Vermögen erreichte dadurch einen Rekordwert von 294 Milliarden US-Dollar. Asiatische Fonds verzeichneten einen Zuwachs von 57 Millionen US-Dollar, vor allem getrieben durch indische Anleger, die inmitten globaler Unsicherheiten und schwacher Aktienmärkte verstärkt auf sichere Anlagen setzten, während China aufgrund starker BIP-Daten und Gewinnmitnahmen Abflüsse verzeichnete.

Starke Goldnachfrage aus den USA

Seit der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten hat die Nachfrage nach Gold in den USA stark zugenommen. Während im letzten Jahr viel Gold nach China floss, waren nach Angaben der Schweizer Zollbehörden die Gold-Exporte aus der Schweiz im Januar im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Die Lieferungen in die USA erreichten ihren höchsten Stand seit mindestens 13 Jahren. Den Daten zufolge kletterten die Schweizer Goldexporte in die USA auf 192,9 Tonnen, verglichen mit 64,2 Tonnen im Dezember. Damit wurde der höchste monatliche Exportwert seit Beginn der Zollaufzeichnungen im Jahr 2012 erreicht.

Auch die jüngsten starken Goldverschiebungen aus den Tresoren der LBMA nach New York zeigen, dass die Nachfrage sprunghaft zugenommen hat. Diese Nachfrage wurde unter anderem durch die drohenden US-Zölle entfacht, die Auswirkungen direkt auf die Kosten von Goldimporten haben könnten, sowie auf die Inflation, die Zinsen und das Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig könnten Zölle Handelskonflikte zwischen den USA und anderen Ländern anheizen und einen Handelskrieg auslösen. Bislang wurden die Zölle auf Kanada und Mexiko auf den 4. März verschoben, doch drohen Gegenzölle, wenn diese in Kraft treten.

Aus Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie stören Zölle die natürliche Funktion des Marktes, indem sie Preissignale verzerren und die internationale Arbeitsteilung behindern. Dies senkt die Produktivität, erhöht die Preise und bremst das Wirtschaftswachstum aus. Besonders in einer angeschlagenen Wirtschaft können höhere Kosten für Unternehmen, geringere Margen und rückläufige Investitionen dazu führen, dass Arbeitsplätze verloren gehen und die Nachfrage weiter einbricht. Wenn dieser Prozess lange genug anhält, können Insolvenzen zunehmen, Verbraucher ihren Konsum noch stärker einschränken und Banken vorsichtiger bei der Kreditvergabe werden, was schließlich in einer Rezession enden würde.

Ausblick

Die politischen Unsicherheiten dürften weiterhin für eine starke Goldnachfrage sorgen, wobei es auch Entspannungen im mittleren Osten und in der Ukraine gibt. Ein ukrainischer Abgeordneter des Verteidigungsausschusses der Werchowna Rada erklärte gegenüber der Kyiv Post, dass die US-Waffenlieferungen an die Ukraine eingestellt wurden. Diese Nachricht, die Aussagen des US-Außenministers sowie die Gespräche zwischen Trump und Putin lassen darauf schließen, dass ein Waffenstillstand und Frieden in der Ukraine nahe sein könnten. Mit einem möglichen Frieden würde der Risikoappetit der Investoren vermutlich steigen, was die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen schwächen könnte.

Im vergangenen Jahr erlebten wir eine historische Rallye des Goldpreises, und eine Korrektur oder zumindest eine Konsolidierung dieses kräftigen Anstiegs scheint inzwischen überfällig. Eine mögliche Rezession bleibt ein Risikofaktor, der den Goldpreis vorübergehend unter Druck setzen könnte – insbesondere, da der Terminmarkt derzeit historisch stark überkauft ist. Positiv zu vermerken ist jedoch, dass die bisherige Rallye ohne größere Beteiligung westlicher Investoren stattfand, weshalb weitere potenzielle Käufer noch an der Seitenlinie stehen. Hinzu kommt die ungebrochen starke physische Nachfrage. Auch wenn es bisher keine Bestätigung für die Theorie gibt, dass Notenbanken hinter diesem Kaufinteresse stehen, bleibt es ein unterstützender Faktor. Beispielsweise hat die chinesische Notenbank im Januar lediglich einen Anstieg ihrer Goldreserven um 5 Tonnen vermeldet, was nicht die großen Mengen Gold, die von der Schweiz nach China geliefert wurden, widerspiegelt. Solange diese physische Nachfrage, egal aus welcher Quelle, weiterhin robust bleibt, hat der Goldpreis trotz seines hohen Niveaus grundsätzlich noch Raum nach oben. Sollten die Notenbanken auf eine Rezession mit dem neuerlichen Drucken von Geld aus dem Nichts reagieren, wäre ein Goldpreis von 4.000$ je Feinunze dann schnell möglich.

Technische Analyse zu Silber: Silberpreis stark über 30$ trotz Dollarrallye

Terminmarkt: COT-Report

Der COT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die COT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.

COT-Report für Silber vom 14. Februar:

Im Gegensatz zum Goldmarkt zeigte der Silbermarkt in der vergangenen Woche eine leichte Schwäche. Der Silberpreis fiel um 63 Cent, während die Spekulanten 757 Kontrakte auf der Short-Seite eröffneten. Diese Veränderung ist minimal, sodass die Positionierung der Spekulanten nahezu unverändert blieb. Der COT-Index verbesserte sich lediglich um einen Punkt auf 19 Punkte, der COT-Index bereinigt um das Open Interest verschlechterte sich hingegen um zwei Punkte auf 23.

Wie erwartet, präsentierte sich der Silbermarkt schwächer, ähnlich wie der Platinmarkt. Ohne die Unterstützung durch eine starke physische Nachfrage bleibt Silber anfällig für Rückschläge. Während der Goldmarkt von soliden physischen Käufern gestützt wird, scheint am Silbermarkt kaum Kaufinteresse vorhanden zu sein.

Die Einschätzung für den Silbermarkt bleibt daher unverändert: Sollte der Goldmarkt korrigieren, ist Silber deutlich anfälliger für stärkere Rücksetzer. Die weitere Entwicklung des Silbermarktes hängt somit entscheidend von der Preisbewegung des Goldes ab. Die spannende Frage bleibt, ob Gold seine Stärke beibehält oder eine Korrektur einleitet, die Silber mit nach unten zieht. Auch die Shortpositionen der „BIG4“ am Silbermarkt sind weiterhin hoch: Sie wurden zwar reduziert, aber nur um vier Tage Weltproduktion, sodass sie mit 81 Tagen nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau liegen.

Der COT-Index von 20 Punkten zeigt, dass der Silbermarkt überkauft ist
Die großen vier Händler an der COMEX haben ihre Shortposition auf Silber in der letzten Woche leicht verringert, doch ist sie immer noch nahe einem Rekordhoch

Der Silberpreis stieg zuletzt aufgrund eines starken Goldpreises weiter an und durchbrach den Abwärtstrend bei etwa 31,50 Dollar. Der Aufwärtstrend ist bisher intakt, während Silber aktuell noch unter dem Oktoberhoch von 35 Dollar notiert, während der Goldpreis bereits 150$ darüber handelt.

Obwohl der Silbermarkt mit einem COT-Index von 20 Punkten als überkauft gilt, könnte ein weiterer Anstieg des Goldpreises weitere Investmentnachfrage schaffen, die den Silberpreis an den Widerstand bei 35 Dollar und möglicherweise in Richtung des Allzeithochs von 50 Dollar treiben könnte.

Sollte der Goldpreis jedoch fallen und die Marke von 3.000 Dollar nicht überwinden könnten, wäre eine stärkere Korrektur des Silberpreises bis in den Bereich von 26 bis 24 Dollar möglich.

Aktuell hält nur die starke Nachfrage nach Gold den Silbermarkt oben. Ein gutes Setup für einen Swing-Trade gibt es derzeit nicht, da das Chance-Risiko-Verhältnis ungünstig ist. Die zukünftige Entwicklung hängt maßgeblich von der kurzfristigen Goldpreisentwicklung ab.

In einer möglichen Rezession bestehen kurz- bis mittelfristig große Risiken für Silber, wobei in diesem Umfeld der Preis auch noch einmal auf 22$ korrigieren könnte. Erst wenn die Zentralbanken auf eine Rezession oder einen exogenen Schock, wie beispielsweise einen Krieg, mit umfangreichen quantitativen Lockerungen (QE) reagieren, hat Silber das Potenzial, die Marke von 50 US-Dollar nachhaltig zu überschreiten.

Nicht Fisch und nicht Fleisch – kein gutes Setup für einen Trade bei Silber

Langfristige Analyse

Aus charttechnischer Sicht markiert der Preisrückgang auf 18$ im Sommer 2022 einen klassischen Retest des vorherigen langjährigen Abwärtstrends, von dem der Silberpreis erneut abgeprallt ist. Dies ebnete den Weg für einen anschließenden Wiederanstieg. Gestützt durch die Hoffnung auf neue quantitative Lockerungen und mögliche Zinssenkungen konnte Silber bereits im Jahr 2023 wieder in die Handelsspanne zwischen 22$ und 28$ zurückkehren und erreichte im Jahr 2024 erneut den Widerstand bei 35$.

Der Langfristchart verdeutlicht die wichtige Unterstützung bei 22$, die im Jahr zuvor mehrfach erfolgreich verteidigt wurde. Eine Fortsetzung der Rallye dürfte spätestens dann einsetzen, wenn die Zentralbanken im Falle einer Rezession oder neuen Krise wieder eine expansive Geldpolitik verfolgen. Ein solches Szenario könnte den Silberpreis auf 50$ oder darüber steigen lassen, da die Investmentnachfrage in diesem Umfeld zunehmen und zu einem kurzfristigen Defizit führen würde.

Dies gewinnt vor allem in einem stagflationären Umfeld an Bedeutung, da es nur wenige attraktive Anlagealternativen für Investoren geben wird. Zudem werden derartige geldpolitische Maßnahmen zu einem anhaltenden physischen Nachfrageüberhang führen, was den Silberpreis langfristig über das nominale Allzeithoch von 50$ hinaus treiben würde.

Die Entwicklungen im Gold- und Silbermarkt bleiben daher stark abhängig von einer möglichen Wiederaufnahme der lockeren Geldpolitik, wie etwa durch quantitative Lockerungsprogramme als Reaktion auf eine Rezession oder geopolitische Spannungen.

Ein möglicher Risikofaktor bleibt eine deflationäre Rezession, bei der die Notenbanken nicht sofort mit dem Gelddrucken reagieren. In diesem Fall könnte die industrielle Nachfrage sinken, der Terminmarkt bereinigt werden und es zu einem erneuten Test der Unterstützung bei 22$ kommen. Dieses Tief sollte man jedoch nutzen, um massiv Long zu gehen in Silber.

Das langfristige Chartbild ist noch immer sehr bullisch. Selbst eine erneute Korrektur auf 22$ würde das bullische Chartbild nicht gefährden

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