Gold unter Spannung: Neue Rallye oder Bruch der 4.000-$-Marke?
Der Goldpreis handelt aktuell bei rund 4.122 $ je Feinunze und damit nahezu auf dem gleichen Niveau wie bereits vor gut zwei Wochen. In den vergangenen zwei bis drei Wochen hat sich der Preis in einer engen Handelsspanne zwischen rund 4.080 $ auf der Unterseite und 4.220 $ auf der Oberseite eingependelt. Silber fiel in den vergangenen Handelstagen kurzzeitig bis in den Bereich seiner letzten Unterstützung um 55 $ je Feinunze zurück, konnte sich von dort jedoch wieder etwas auf 58 $ erholen. Auch die Weißmetalle standen zuletzt weiter unter Druck. Platin verlor in den vergangenen zwei Wochen rund 3 %, Palladium etwa 6 %.
Gleichzeitig bleibt das Makro-Umfeld schwierig. Der US-Dollar-Index konnte zwischenzeitlich bis auf rund 103 Punkte steigen, während der Euro zum US-Dollar bis auf knapp 1,11 $ und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2025 fiel. Der WTI-Rohölpreis stieg in dieser Handelswoche erneut über 101 $ je Barrel, während der Konflikt im Mittleren Osten unverändert anhält.
Gold hält sich trotz Gegenwind über 4.000 $
Das Marktumfeld hat sich damit gegenüber den vergangenen Wochen kaum verändert. Dennoch könnte sich aus der aktuellen Seitwärtsbewegung eine neue Rallye entwickeln, wenn es den Bullen gelingt, die Unterstützung zu verteidigen und anschließend die Oberseite der Handelsspanne über 4.260$ zu überwinden. Aktuell liefern sich Bullen und Bären einen Kampf um die kurzfristige Richtung, der bereits in den kommenden Tagen oder spätestens in der nächsten Handelswoche entschieden werden könnte.
In dieser technisch angespannten Situation reichen bereits politische oder geldpolitische Meldungen aus, um einen Ausbruch in die eine oder andere Richtung auszulösen. Trader, die auf einen steigenden Goldpreis setzen, sollten deshalb weiterhin vorsichtig agieren und Long-Positionen mit einem engen Stop-Loss absichern.
Zentralbanken und ETFs stützen den Goldpreis
Bullisch bleibt hingegen die institutionelle Investmentnachfrage. Die weltweiten Zentralbanken kauften im September nach vorläufigen Daten des World Gold Council rund 63 Tonnen Gold und damit so viel wie seit November 2024 nicht mehr. Allein die People’s Bank of China erhöhte ihre Reserven um 23 Tonnen, den größten monatlichen Zukauf seit Oktober 2023. Im gesamten dritten Quartal kaufte China 63 Tonnen Gold und damit so viel wie seit dem dritten Quartal 2023 nicht mehr.
Auch die Nachfrage über Gold-ETFs bleibt stark. Trotz eines Preisrückgangs von 8,5 % im September flossen weltweit rund 10 Mrd. $ beziehungsweise 67 Tonnen in Gold-ETFs. Die globalen ETF-Bestände stiegen dadurch auf ein neues Rekordhoch von 4.256 Tonnen, während sich die Zuflüsse im dritten Quartal auf einen Rekordwert von 31 Mrd. US-Dollar summierten. Auch im Oktober setzte sich dieser Trend fort. Zuletzt verzeichneten Gold-ETFs bereits die 13. Woche in Folge Nettozuflüsse. Allein in der vergangenen Woche flossen netto rund 1,91 Mrd. US-Dollar in die Fonds, davon fast 1 Mrd. US-Dollar aus den USA und rund 498 Mio. US-Dollar aus China.
Auch in Asien bleibt die Investmentnachfrage robust. Chinesische Gold-ETFs erhöhten ihre Bestände im September um 11 Tonnen auf den Rekordwert von 304 Tonnen, wobei sich die Zuflüsse auch Anfang Oktober fortsetzten. In Indien erreichten die Zuflüsse in Gold-ETFs im September mit 44,5 Mrd. Rupien beziehungsweise rund 466 Mio. US-Dollar den höchsten Stand seit sieben Monaten.
Auch die physische Nachfrage in Indien zeigt erste Anzeichen einer Belebung. Der Abschlag des heimischen Goldpreises gegenüber der Importparität verringerte sich von durchschnittlich 66 $ im September auf nur noch 8 $ Mitte Oktober, was auf eine stärkere saisonale Nachfrage hindeutet. Gleichzeitig meldeten börsennotierte Juweliere im dritten Quartal Umsatzsteigerungen von 20 % bis 30 % gegenüber dem Vorjahr, wobei das Wertwachstum allerdings stärker ausfiel als das Absatzwachstum.
Unterstützung kommt langfristig auch von der Angebotsseite. Trotz der hohen Goldpreise erwartet die CIBC lediglich ein Wachstum der globalen Minenproduktion von rund 1 % pro Jahr, da sinkende Erzgehalte, lange Genehmigungsverfahren und operative Probleme eine schnelle Ausweitung des Angebots verhindern.
Nur wenige Notenbanken treten aktuell als Goldverkäufer auf. Eine Ausnahme ist die Bank of Russia, die im September weitere 6,2 Tonnen Gold veräußerte und ihre Bestände damit den zehnten Monat in Folge reduzierte. Mit aktuell 2.264 Tonnen liegen die russischen Goldreserven auf dem niedrigsten Stand seit Ende 2019. Seit Dezember 2025 summieren sich die Verkäufe auf 62 Tonnen, während die Regierung gleichzeitig mit einem stark steigenden Haushaltsdefizit zu kämpfen hat.
Russland ist nach China der zweitgrößte Goldproduzent der Welt und fördert jährlich mehr als 300 Tonnen. Die russische Zentralbank gehörte über Jahre zu den größten staatlichen Goldkäufern weltweit, hat ihre Käufe seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 jedoch deutlich zurückgefahren und zuletzt sogar Bestände abgebaut.
Die strukturellen Fundamentaldaten bleiben damit langfristig bullish für Gold. Kurzfristig stehen diesen Faktoren jedoch ein überkaufter Terminmarkt, hohe Zinsen, ein starker US-Dollar und ein Rohölpreis von über 100 $ gegenüber. Besonders bemerkenswert ist, dass die Investmentnachfrage trotz hoher Zinsen, eines starken US-Dollars und des deutlichen Preisrückgangs nicht abreißt. Dies dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, weshalb sich der Goldpreis bislang oberhalb der Marke von 4.000 $ halten kann.
Die Entscheidung fällt an der Unterstützung bei 4.000 $
Trotzdem gelang es den Bullen bislang nicht, nach dem Rücksetzer auf das Ausbruchsniveau von Anfang August eine neue Aufwärtsbewegung einzuleiten. Noch können sie das Ruder herumreißen, wobei bereits eine positive politische oder geldpolitische Meldung ausreichen könnte, um den Goldpreis aus dem Stand wieder nach oben zu treiben.
Bricht hingegen die Unterstützung bei rund 4.080 $, dürfte erneut der wichtige Bereich zwischen 3.950 $ und 4.000 $ getestet werden. Ein solcher Rückfall wäre charttechnisch ein schlechtes Signal und würde die Gefahr eines stärkeren Abverkaufs deutlich erhöhen.
Die starke Rallye im August hat gezeigt, wie schnell sich die Lage durch neue Nachrichten drehen kann. Gerade im Bereich um 4.000 $ könnten positive politische Meldungen jederzeit eine neue Rallye entfachen. Sollten erneut Hoffnungen auf einen Frieden im Mittleren Osten aufkommen, die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember sinken und die Marktzinsen zurückgehen, könnte neue Investmentnachfrage die Edelmetalle schnell wieder nach oben treiben.
Sentiment am Goldmarkt ungebrochen bullisch
Das Sentiment am Goldmarkt ist bislang ungebrochen bullisch, während sich die Stimmung bei den Weißmetallen Silber, Platin und Palladium bereits deutlich eingetrübt hat. Die neuesten CFTC-Daten zeigen, dass das Gros der Spekulanten am Goldmarkt weiterhin auf einen bald wieder steigenden Goldpreis setzt. Mit einem zum Open Interest adjustierten COT-Index von lediglich 10 Punkten ist der Terminmarkt noch immer deutlich überkauft, was aus antizyklischer Sicht ein Warnsignal darstellt.
Am Silbermarkt ist dagegen bereits ein großer Teil der vorherigen Spekulation bereinigt. Der zum Open Interest adjustierte COT-Index liegt mittlerweile bei 52 Punkten, womit sich auch das zuvor extrem bullische Sentiment deutlich normalisiert hat. Am stärksten verlief die Bereinigung bislang bei Palladium. Der Palladiumpreis war 2025 innerhalb weniger Monate von rund 900 $ auf 2.100 $ gestiegen, was zeigt, wie stark diese Bewegung durch spekulative Investmentnachfrage getrieben war. Mittlerweile fiel der Preis auf 1.076 $ zurück, womit die Rallye des Vorjahres nahezu vollständig negiert wurde.
Auch Platin hat von seinem Hoch bereits rund 45 % korrigiert, der Terminmarkt ist jedoch bislang erst etwa zur Hälfte bereinigt. Das Risiko weiterer starker Kurseinbrüche ist bei den Weißmetallen damit geringer als beim Goldmarkt, da dort bereits ein wesentlich größerer Teil der spekulativen Übertreibung abgebaut wurde.
Investoren setzen bereits auf die nächste Goldrallye
Wie bullisch die Stimmung bei Gold weiterhin ist, zeigt auch ein aktuell vielzitierter Artikel der Financial Times. Mehrere Fondsmanager erwarten bereits innerhalb der kommenden zwölf bis 24 Monate neue Rekordstände beim Goldpreis. Auch die Prognosen großer Researchhäuser bleiben ausgesprochen bullish. CIBC erwartet für 2027 einen durchschnittlichen Goldpreis von 5.200 $, während Metals Focus mit 5.330 $ rechnet und für das vierte Quartal 2027 sogar durchschnittlich 5.600 $ prognostiziert.“
Als Gründe werden die hohe Staatsverschuldung, eine mögliche erneute Ausweitung der Geldmenge in der nächsten Rezession, der Vertrauensverlust in den US-Dollar sowie weitere Goldkäufe der Zentralbanken genannt. Auffällig ist dabei immer wieder der Glaube vieler Investoren, dass die Notenbanken auf die nächste Krise unmittelbar mit einer erneuten Ausweitung der Geldmenge reagieren müssten.
Bemerkenswert ist, dass Investoren trotz des starken Preisrückgangs weiterhin nahezu geschlossen mit einer unmittelbaren Fortsetzung des Bullenmarktes rechnen. Family Offices sollen bereits Staatsanleihen zugunsten von Gold reduzieren, während Schwellenländer ihre Reserven stärker aus dem US-Dollar diversifizieren.
Langfristig sind diese Argumente zweifellos nachvollziehbar und bullish für Gold. Kurzfristig zeigen sie jedoch zugleich, wie wenig sich das Sentiment bislang bereinigt hat. Selbst nach dem deutlichen Preisrückgang erwarten viele Investoren bereits die nächste Rallye und verlassen sich darauf, dass die Notenbanken spätestens in der nächsten Rezession erneut die Geldmenge ausweiten werden.
Massenpsychologisch spricht das ungebrochen bullische Sentiment am Goldmarkt gegen eine finale Kapitulation und damit gegen ein belastbares Tief am Goldmarkt, womit es Chance und Risiko zugleich ist. Aus Trading-Sicht bleibt dies für die Goldbullen problematisch, da eine nachhaltige Bodenbildung normalerweise erst dann wahrscheinlicher wird, wenn ein deutlich größerer Teil der spekulativen Long-Positionen bereinigt wurde. Sollten die Käufer, die im August und September in den Markt gekommen sind, durch Preise unterhalb von 4.000 $ enttäuscht werden, könnten viele von ihnen die Reißleine ziehen und ihre Positionen auf den Markt werfen. Die Korrektur würde sich folgend verstärken und letztlich auch Silber, Platin und Palladium mit nach unten ziehen.
Technische Analyse Gold: Bullische Spekulanten setzen auf eine neue Rallye
Terminmarkt: COT-Report
Der COT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die COT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.
COT-Analyse vom 16. Oktober:
Der Goldpreis fiel zum Stichtag 13. Oktober auf 4.184 $ und lag damit 9 $ tiefer als in der Vorwoche. Die Spekulanten gingen im gleichen Zeitraum mit 2 Tsd. Kontrakten Short. Beides ist vernachlässigbar gering, sodass sich die Terminmarktdaten zur Vorwoche kaum verändert haben. Der COT-Index zum Open Interest adjustiert verbesserte sich jedoch um einen Punkt, was eine leichte Stärke zur Vorwoche zeigt.
Zum Vormonat sieht die Lage hingegen anders aus. Der Goldpreis fiel um 150 $, während sich der COT-Index zum Open Interest adjustiert lediglich um 6 Punkte verbessert hat. Das zeigt weiterhin eine deutliche Schwäche auf Sicht eines Monats.
Das Sentiment am Goldmarkt ist weiterhin extrem bullisch. Dies spricht eher gegen eine Bodenbildung auf dem aktuellen Preisniveau. Im Gegenteil ist es ein Indiz dafür, dass das Risiko eines erneuten Long-Drops unvermindert besteht.
Gerade bei einem Bruch der äußerst wichtigen Unterstützung bei 4.000 $ droht angesichts des weiterhin stark überkauften Terminmarktes ein stärkerer Long-Drop, weshalb man gerade diese Unterstützung genau im Auge behalten sollte.
Ein bullischer Faktor, der hingegen heraussticht, ist die Reduzierung der Netto-Shortposition der großen vier Händler an der COMEX in den letzten Wochen, was das Gesamtbild ein wenig aufhellt.
Makroumfeld belastet Goldpreis weiter
Der Goldmarkt zeigt trotz der jüngsten Korrektur weiterhin keine typische Bereinigung, wie wir sie an zyklischen Tiefpunkten erwarten würden. Der zum Open Interest adjustierte COT-Index liegt mit 10 Punkten noch immer nahe dem Verkaufsbereich, während eine deutliche Übertreibung auf der Short-Seite bislang ausbleibt. Dieses weiterhin sehr bullische Sentiment spricht gegen eine abgeschlossene Bodenbildung. Rückblickend spricht damit vieles dafür, dass die Rallye im August lediglich eine Bärenmarktrallye war. Im Bereich um 4.700 $ scheiterte der Goldpreis am starken Widerstand des April-Hochs. Im Premium-Research erhielten meine Abonnenten Ende August ein Verkaufssignal bei 4.630$ je Feinunze, womit wir den letzten Monat wieder auf der richtigen Seite waren und aktuell bereits auf schönen Gewinnen sitzen.
Wichtige Treiber der August-Rallye haben sich seither abgeschwächt oder sogar ins Gegenteil verkehrt. Der Krieg im Mittleren Osten hält an, Rohöl notierte zuletzt wieder über 100 $, die Fed bleibt hawkish und die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen erreichten den höchsten Stand seit 2002. Gleichzeitig ist der US-Dollar nach oben ausgebrochen und der US-Dollar-Index stieg zuletzt bis knapp an die Marke von 103 Punkten. Solange auch die realen US-Renditen auf hohem Niveau bleiben, fehlt dem Goldpreis zusätzlich ein wichtiger monetärer Rückenwind. Das kurzfristige Makroumfeld hat sich damit klar gegen Gold gedreht.
Technisch entscheidet sich nun viel an der Unterstützung bei 4.000 $. Gleichzeitig verläuft dort beim Goldpreis in Euro der langfristige Aufwärtstrend. Ein Bruch dieser beiden Marken würde das Chartbild deutlich verschlechtern und einen stärkeren Abverkauf wahrscheinlicher machen. Die Bullen müssen deshalb in diesem Bereich ein höheres Tief ausbilden und die Kontrolle zurückgewinnen. Fallen dagegen auch die Tiefs vom Juli, wäre das bullische Chartbild weitgehend zerstört und ein schneller Rückgang bis in den Bereich um 3.400 $ durchaus denkbar.
Für die weitere Entwicklung bleiben vor allem Rohöl, Marktzinsen und US-Dollar entscheidend. Solange sich der Rohölpreis um 100 $ hält oder weiter steigt, die Renditen ihr hohes Niveau verteidigen beziehungsweise weiter zulegen und der US-Dollar gleichzeitig stark bleibt, dürfte der Gegenwind für Gold anhalten und die Bären die Kontrolle behalten.
Eine deutliche Entspannung würde sich erst bei einem Anstieg des Goldpreises über 4.260 $ bei gleichzeitiger Ausbildung eines höheren Tiefs zeigen. Dies würde das technische Bild wieder verbessern. Voraussetzung dafür wäre jedoch zumindest kurzfristig auch ein günstigeres Makroumfeld mit fallenden Zinsen, einem schwächeren Rohölpreis und einem nachgebenden US-Dollar.
Auffällig ist gleichzeitig, wie viele kurzfristige Trader im Bereich um 4.100 $ bereits wieder auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends setzen und sich entsprechend positionieren. Da spekulatives Kapital und Investmentnachfrage im vergangenen Jahr einen erheblichen Einfluss auf den Goldpreis hatten, darf dieser Faktor nicht unterschätzt werden. Lässt die erhoffte Rallye jedoch zu lange auf sich warten, könnten diese kurzfristigen Long-Positionen schnell wieder aufgelöst werden. In diesem Fall würde zusätzlicher Verkaufsdruck entstehen und die Unterstützung bei 4.000 $ erneut massiv unter Druck geraten.
Besonders kritisch wäre ein Bruch dieser Marke, da der Terminmarkt trotz der bisherigen Korrektur sich bisher kaum bereinigt hat. Fallen die 4.000 $, könnten Stop-Loss-Orders und die Auflösung kurzfristiger Long-Positionen einen Long-Drop nach sich ziehen und den Preisrückgang deutlich beschleunigen. Umgekehrt wäre es ein erstes Zeichen relativer Stärke, wenn Gold trotz hoher Zinsen, eines starken US-Dollars und Rohölpreisen um 100 $ oberhalb dieser Unterstützung einen Boden ausbilden und wieder über 4.260 $ ansteigen könnte.
Gold in Euro testet den langfristigen Aufwärtstrend
Der Goldpreis in Euro ist bis auf aktuell 3.674 € je Feinunze zurückgefallen und testet damit seinen seit rund zweieinhalb Jahren bestehenden langfristigen Aufwärtstrend. Zuvor wurde der kurzfristige Abwärtstrend gebrochen, was vielen Spekulanten das Signal gab, auf eine Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends zu setzen, doch kam es bisher nicht zu einem Preissprung. Noch haben die Bullen die Chance, das Ruder herumzureißen, doch dafür muss der langfristige Aufwärtstrend verteidigt werden.
Sollte sich der Ausbruch aus dem kurzfristigen Abwärtstrend jedoch als Fehlsignal erweisen und anschließend auch der zweieinhalbjährige Aufwärtstrend brechen, läge die nächste wichtige Unterstützung zunächst im Bereich um 3.500 € je Feinunze. Fällt auch diese Marke, wäre ein Rückgang in den Bereich zwischen 3.100 € und 3.000 € wahrscheinlich. Vom aktuellen Niveau aus entspräche dies einem weiteren Verlust von fast 700 € je Feinunze.
Damit dürfte sich die weitere Entwicklung des Goldpreises in Euro für die kommenden Monate bereits in dieser oder der nächsten Handelswoche entscheiden. Entweder gelingt es den Bullen, die Kontrolle zurückzugewinnen und den langfristigen Aufwärtstrend zu verteidigen, oder die Bären übernehmen das Ruder. In diesem Fall könnte es zu einer stärkeren Bereinigung am Terminmarkt kommen, weshalb der Preisrückgang schnell und dynamisch verlaufen dürfte.
Im Trading ist das Signal klar. Bricht der langfristige Aufwärtstrend, entsteht ein Verkaufssignal mit einem Short-Ziel im Bereich zwischen 3.100 € und 3.000 € je Feinunze. Dort sollten Short-Gewinne wieder eingedeckt werden. Gleichzeitig würden sich in diesem Bereich antizyklische Käufe mit einem kurzfristig attraktiven Chance-Risiko-Verhältnis anbieten.
Hält der Aufwärtstrend hingegen, können Trader erneut versuchen, die Long-Seite zu handeln. In diesem Szenario wäre zunächst ein Anstieg in Richtung 4.000 € und anschließend möglicherweise bis 4.100 € je Feinunze denkbar.
Da aktuell weder das Makro-Umfeld noch das Sentiment eine nachhaltige Aufwärtsbewegung unterstützen, sollte ein Wechsel auf die Long-Seite jedoch nur mit engem Stop-Loss erfolgen. Sollte sich der Ausbruch als Bullenfalle erweisen, muss die Position schnell wieder geschlossen werden.