Gold und Silber halten sich noch immer in luftigen Höhen

23.01.2023 21:18 von Markus Blaschzok

Der Goldpreis hielt sich in der letzten Woche wieder stark oberhalb der neuen Unterstützung von 1.900$ und beendete die Handelswoche mit 1.926$. Der steile Aufwärtstrend seit Anfang November, in dem der Goldpreis bereits um mehr als 300$ je Feinunze angestiegen war, ist aktuell noch immer intakt. Ein weiterhin schwacher US-Dollar, der im USD-Index stets aufs Neue die Tiefs der letzten Monate testet, verhindert bisher Gewinnmitnahmen und somit eine Korrektur am Goldmarkt.

Die starke Rallye des Goldpreises in den letzten drei Monaten vollzog sich ohne Mittelzuflüsse in ETF-Produkte, deren Bestände aktuell niedriger sind als noch Anfang November, bevor die Rallye begonnen hatte. Kurios! Ein großer Teil der Rallye gründet auf den Einbruch des US-Dollars, doch ist der gesamte Preisanstieg damit nicht zu erklären. Der ETF-Goldvolatilitätsindex der CBOE ist folglich auch noch auf einem unverändert niedrigen Niveau, was ebenfalls eher für eine Fortsetzung Aufwärtsbewegung in den nächsten Monaten spricht.

Der Goldmarkt ist aktuell weit von einer Manie oder Kaufpanik entfernt, da dieser Preisanstieg so schnell vonstattenging, dass die eher trägen und prozyklisch agierenden Fondsmanager noch nicht beteiligt waren. Die große Frage ist also, was trieb den Goldpreis zu dieser Rallye? War China, das binnen der letzten drei Monate 100 Tonnen Gold am offenen Markt gekauft hatte, ein wichtiger Faktor dieser Rallye?

Die Goldrallye war so schnell, dass viele sie nicht mitbekamen

Auch die US-Terminmarktdaten zeigen, dass die Spekulanten am Goldmarkt bisher nur moderat an der Rallye teilgenommen hatten und es noch Luft nach oben gibt. Angesichts der Gemengelage stellen Preisrücksetzer weiterhin Kaufchancen dar, die man nutzen sollte.

Jedoch scheint eine Korrektur nun jederzeit denkbar und wahrscheinlich zu sein nach der starken Rallye, sobald der US-Dollar wieder zur Stärke neigt. Der Euro war in den letzten drei Monaten diametral gegensätzlich zum US-Dollar von 0,97$ auf 1,09$ angestiegen, was einen plötzlichen Wechsel des Sentiments widerspiegelt, nachdem der Bluff der Notenbanker mit dem Einknicken der Bank of England aufgeflogen war und man seither auch auf ein Einknicken der FED wettet.

Die Terminmarktdaten für den Euro offenbaren jedoch, dass bereits die Masse der Spekulanten Long im Euro positioniert sind und das Sentiment somit bereits extrem bullisch ist. Die Netto-Longposition der Spekulanten ist mittlerweile auf den zweithöchsten Stand der Geschichte angestiegen, wie folgender Chart zeigt.

Die Rallye des Euros steht auf tönernen Füßen und somit auch die Dollarschwäche

Die EZB hatte bereits angekündigt, im Sommer frühzeitig ihren Zinsanhebungszyklus beenden zu wollen. Auch wenn die Energiepreise in Europa mittlerweile wieder auf Vorkriegsniveau gefallen sind, sehe ich fundamental und geldpolitisch wenig Gründe, die für eine restriktivere Geldpolitik der EZB im Vergleich zur FED und somit einem stärkeren Euro zum US-Dollar sprechen würden.

Die Rallye des Euros könnte man demnach als Dead-Cat-Bounce interpretieren, angesichts dieser schlechten Terminmarktdaten. Die Rallye des Euros und somit die Talfahrt des US-Dollars neigen sich nicht nur ihrem Ende zu, sondern auch neue Tiefs beim Euro sind auf Sicht von einem Jahr denkbar. Spätestens wenn die Märkte nicht nur ein Einknicken der FED einpreisen, sondern auch ein Einknicken der EZB, deren Spielraum viel geringer ist, wie das Anleihekaufprogramm „TPI“ der Europäischen Zentralbank zeigt, sollte der US-Dollar wieder zur Stärke neigen.

Märkte wetten auf eine Abkühlung der Inflation und eine Entspannung der Geldpolitik

Die Inflationsrate in den USA fiel zuletzt auf 6,5% zum Vorjahr und die Märkte haben das Thema größtenteils abgehakt, weshalb sie glauben, die US-Notenbank könne jederzeit mit neuen Zinssenkungen aufwarten, wenn die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleitet. Ich hatte in den letzten Artikeln bereits erklärt, warum Zinssenkungen keinen erneuten Konjunkturaufschwung nach sich ziehen können, weshalb die FED direkt zu neuen QE-Programmen übergehen dürfte, wenn es ernsthafte Gefahren für die Stabilität des Kreditgeldsystems geben sollte.

Die Wachstumsrate für das Geldmengenaggregat M2 des US-Dollars, die aufgrund der QE-Programme zeitweise um 27% zum Vorjahr gewachsen war, fiel zuletzt auf null Prozent im Dezember. Nicht immer, aber oft, war die Entwicklung der Geldmenge M2 ein Vorläufer für die Entwicklung der US-Inflationsrate in der näheren Zukunft, was den Glauben der Marktteilnehmer, dass die Inflation kein Problem mehr sei, nur verstärkt.

Das Wachstum des Geldmengenaggregats M2 ist auf null gefallen. Die Veränderungsrate war in der Geschichte oftmals ein Vorläufer für die Entwicklung der Konsumentenpreise

Auch die US-Inflationsrate lag in den letzten drei Monaten annualisiert bei null Prozent. Die Produzentenpreise fallen tendenziell, während die Lagerbestände so schnell steigen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Bis die Rezession zutage tritt und die Märkte in Schwierigkeiten geraten, worauf die Notenbanken mit neuen QE-Programmen aufwarten dürften, könnte eine disinflationäre Phase die Bullen am Goldmarkt beruhigen und dies dem Goldpreis einen Anstieg auf neue Allzeithochs vorerst verwehren.

Wie schnell der Goldpreis neue Höhen erklimmen kann, hängt also davon ab, wie schnell die Notenbanken in einer Rezession mit dem Drucken von Geld aus dem Nichts eingreifen werden. Aktuell erwarten mehr professionelle Analysten, denn je in der Geschichte, eine Rezession in den USA. Das muss nicht unbedingt ein Kontraindikator sein, da es diesmal nach einem Zinsanstieg um 5 Prozent schon sehr offensichtlich ist.

Dennoch hat sich in den letzten Wochen am Markt die Meinung gebildet, dass keine der großen Volkswirtschaften im Jahr 2023 in eine Rezession abgleiten wird, was erklärt, warum es bisher keine Mittelzuflüsse in Gold-ETF-Produkte gab.

Ich bleibe bullisch für den Goldpreis in diesem Jahr, doch kurzfristig sehe ich das Risiko einer Korrektur des starken Preisanstiegs, worauf man sich als Investor und insbesondere Trader gefasst machen muss. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Rezession zeigen, die Zinsen steigen und letztlich die Notenbanken gezwungen sein werden mit neuen quantitativen Lockerungen ihr Kreditgeldsystem zu retten. Spätestens dann dürften die Märkte die Zeichen für mehr Inflation erkennen und panikartig in den Goldmarkt fliehen, worauf der Goldpreis ansteigen und sein bisheriges Allzeithoch weit hinter sich lassen wird.

Technische Analyse zu Silber: Starker Impuls folgt, wenn Silber seine Konsolidierung beendet

Terminmarkt: COT-Report

Der COT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die COT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.

Die Spekulanten gingen 2,4 Tsd. Kontrakte Long, während der Preis um 36 USC anstieg. Das wäre neutral, doch bauten die großen vier Händler an der COMEX ihre Shortposition um 6 Tage der Weltproduktion ab, was sehr außergewöhnlich ist. Normalerweise würden wir hier nach starken Preisanstiegen einen deutlichen Aufbau der Shortposition erwarten.

Entweder war die fundamentale Nachfrage so schwach, dass man sich eindecken konnte oder aber man fürchtet einen Ausbruch nach oben und verringert deshalb die Shortposition. Diese Wochenentwicklung passt nicht in das typische Bild.

Insgesamt fiel der COT-Index zum OI auf 22 Punkte und ist damit schon nahe dem Verkaufsbereich. Die Analyse für Silber ist damit unverändert. Ein Long-Drop droht, wenn Silber aus der potenziellen Bullenflagge nach unten rausfällt. Ein Rücksetzer um 3$ wäre dann wahrscheinlich.

Im Verhältnis zum Open Interest sind die COT-Daten mit einem COT-Index zum Open Interest von 22 Punkten eher schlecht
Die Position der BIG4 ist immer noch relativ hoch, doch wurde sie zuletzt um 4 Tage der Weltproduktion abgebaut

Zum Ende des letzten Jahres sprang der Silberpreis zurück in die alte Handelsspanne zwischen 22$ und 28$ mit einem Hoch bei 24$, als der Goldpreis den Widerstand bei 1.800$ erreichte. Im neuen Jahr sprang der Goldpreis nochmals um 120$ nach oben, doch obwohl der Silberpreis normalerweise im Tandem mit dem Goldpreis läuft, blieb der Silberpreis unverändert bei 24$ kleben. Dies ist außergewöhnlich und ein Zeichen von Schwäche.

Die Analyse der COT-Daten zeigt zwar, dass dieser Preisanstieg in den letzten Monaten zu einem großen Teil mit von Spekulanten verursacht wurde, doch sie zeigt auch, dass die Spekulanten zuletzt nicht mehr versucht hatten den Preis nach oben zu treiben.

Charttechnisch hat Silber bei 24$ einen Abwärtstrend erreicht und eine potenzielle Bullenflagge ausgelöst, in der der Silberpreis jedoch Schwäche zeigte. Auch wenn die COT-Daten nicht mehr gut sind, wäre noch etwas Luft für einen finalen Preisanstieg vorhanden, der den Silberpreis noch bis 28$ führen könnte, bevor die Luft völlig raus wäre. Dafür müsste jedoch auch der Goldpreis noch einmal weiter bis zum Widerstand bei 1.980$ansteigen, was nach einer Rallye von über 300$ nicht mehr so wahrscheinlich ist. 

Sollte der Goldpreis hingegen nun fallen und auf 1.800$ korrigieren, sobald es zu einer Erholung beim US-Dollar kommt, dann würde dies den Silberpreis, der zuletzt ohnehin Schwäche zeigte und überkauft ist, auch mit nach unten reißen.

Die Handelsstrategie ist demnach aktuell denkbar einfach.

• Entweder zeigt der Goldpreis weiterhin Stärke in einem Umfeld eines schwächeren Dollars, dann kommt es zu einem bullischen Ausbruch aus der Bullenflagge und über dem Abwärtstrend, was eine Rallye bis 28$ nach sich ziehen sollte. Dort sollte man dann alle Gewinne kurzfristig einstreichen. Ein Kaufsignal gibt es also mit einem bullischen Ausbruch.

• Oder Gold korrigiert aufgrund eines stärkeren US-Dollars, worauf Silber nach unten aus der Handelsspanne fallen und so eine Korrektur bis ca. 21$ nach sich ziehen würde. Ein Verkaufssignal gibt es also mit einem Fall aus der Handelsspanne.

Silber vor der Rückkehr in die alte Handelsspanne?

Im Kurzfristchart ist die potenzielle Bullenflagge, in der sich der Silberpreis seit Mitte Dezember befindet, noch einmal deutlicher zu sehen. Ein Ausbruch über den Widerstand bei 24,60$ würde einen Preisanstieg auf 28$ nach sich ziehen, wogegen bei einem Fall aus der Handelsspanne unter die Unterstützung bei 23,25$ eine Korrektur auf 21$ folgen sollte.

Der Ausbruch aus der Flaggenformation dürfte einen starken Impuls nach sich ziehen

Langfristige Analyse

Silber handelte über fünf Jahre hinweg in einer Handelsspanne zwischen 14$ auf der Unterseite und 19$ auf der Oberseite. Seit dem bullischen Ausbruch Mitte 2020 ist das langfristige Chartbild grundsätzlich sehr bullisch.

Charttechnisch war der Preisrückgang auf 18$ im letzten Sommer im Langfristchart ein idealtypischer Rücksetzer an den vorherigen langjährigen Abwärtstrend, von dem der Silberpreis nun abgeprallt ist. Silber konnte bereits aufgrund der Hoffnung neuer quantitativer Lockerungen in 2023 wieder ansteigen und in die Handelsspanne zwischen 22$ und 28$ zurückkehren. In diesem oder spätestens nächsten Jahr ist ein Ausbruch über 28$ wahrscheinlich, worauf ein Anstieg auf 36$ folgen sollte.

Noch spielen die Notenbanker den Falken, doch glauben die Märkte diesen offensichtlichen Bluff nicht mehr. Sobald die Rezession offen zutage tritt und die Notenbanken diese Chance nutzen, um mehr Geld zu drucken, werden erst Gold und danach Silber neue Allzeithochs erreichen. Dann wird die Nachfrage nach Gold und auch Silber zum Schutz vor Inflation stark ansteigen. Es dürfte sich dann über einige Jahre hinweg ein Defizit am physischen Markt entwickeln, das den Silberpreis weit über sein nominales Allzeithoch bei 50 US-Dollar tragen wird.

Starker Anstieg von 6$ binnen zwei Monaten

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