Gold steigt 14 % an Widerstand bei 4.700$ - Korrektur startet
Anfang August handelte der Goldpreis im Tief bei rund 4.020 $ und stieg in dieser Woche auf 4.696 $ an. Aktuell notiert Gold bei rund 4.636 $ und liegt damit seit Monatsbeginn etwa 13,8 % im Plus. Würde sich der Goldpreis bis zum Monatsende annähernd auf diesem Niveau halten, wäre dies der stärkste monatliche Anstieg seit September 1999 und damit seit 27 Jahren. Silber stieg von 57,40$ auf aktuell 68,6$ an (+19%), Platin auf 1.860$ (+12%), während Palladium nur ein kleines Plus von 3,3% bei aktuell 1.320 $ vorweisen kann. Die vergleichsweise schwache Entwicklung des Palladiumpreises spiegelt die sinkende Nachfrage aus dem Automobilsektor infolge des wachsenden Anteils von Elektrofahrzeugen sowie das steigende Sekundärangebot durch das verstärkte Recycling von Autokatalysatoren wider.
Gold startet Korrektur
Der gestern veröffentlichte PCE-Preisindex lag mit einem Anstieg von 3,7 % zum Vorjahr und 0,2 % zum Vormonat leicht über den Markterwartungen, während die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel mit einem Plus von 0,2 % zum Vormonat den Erwartungen entsprach. Nach dem extrem starken Anstieg des Goldpreises fiel dieser nach Veröffentlichung der Daten unter die Unterstützung bei 4.630 $ und leitete damit eine Korrektur ein, die bis in den Bereich von 4.450 $ bis 4.400 $ laufen könnte, wenn US-Notenbankchef Kevin Warsh bei seiner Rede in Jackson Hole am Freitag seine hawkishe Tonalität beibehält.
Investmentnachfrage treibt die Rallye
Der Preissprung in diesem Monat wurde maßgeblich von einer deutlich steigenden Investmentnachfrage sowie Short-Eindeckungen getragen. Eine Reihe goldpreisfreundlicher Nachrichten veranlasste Spekulanten zunehmend dazu, auf eine Fortsetzung der Rally des vergangenen Jahres zu setzen. Besonders deutlich zeigt sich die steigende Investmentnachfrage in dem Anstieg der Bestände von Gold-ETFs. Bis zum 21. August flossen rund 92,9 Tonnen Gold in physisch besicherte ETFs. Bereits im Juli hatte sich nach zwei Monaten mit Abflüssen eine Trendwende abgezeichnet, als die Bestände um 23 Tonnen zunahmen. Der globale ETF-Bestand stieg damit von 4.068 Tonnen Ende Juli auf 4.160,9 Tonnen am 21. August und damit um 2,3 %. Der bisherige Rekordbestand von 4.176 Tonnen vom 27. Februar 2026 ist damit nur noch rund 15 Tonnen entfernt.
Den initialen Impuls für die Rallye in diesem Monat lieferte eine dovishe Interpretation der letzten Fed-Sitzung sowie Hoffnungen auf eine Entspannung im Mittleren Osten und der damit verbundene kurzzeitige Rückgang des Rohölpreises.
In den folgenden Wochen kamen weitere Kaufgründe hinzu. Anfang August intervenierten die USA und Japan gemeinsam am Devisenmarkt, um den Yen zu stützen. Es war die erste gemeinsame Yen-Intervention beider Länder seit 1998. Die Intervention belastete den US-Dollar und lieferte damit einen weiteren Impuls für den Goldpreis.
Wenig später kündigte das US-Finanzministerium an, die regelmäßigen Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen von 2 Mrd. auf mindestens 4 Mrd. US-Dollar je Operation zu verdoppeln. Die Manipulation der Zinsstrukturkurve erfolgte, nachdem die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 2007 angestiegen war.
Nahezu zeitgleich überschritt die US-Staatsverschuldung erstmals die historische Marke von 40 Billionen US-Dollar. Die Kombination aus einer immer höheren Schuldenaufnahme, steigenden langfristigen Finanzierungskosten und den Eingriffen des Finanzministeriums am Anleihemarkt lieferte immer neue Argumente, den Goldpreis weiter nach oben zu treiben.
US-Schuldenlast steigt immer schneller
Die US-Staatsschulden haben am 19. August erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten. Davon entfallen rund 32,3 Billionen US-Dollar auf öffentlich gehaltene Schulden und etwa 7,8 Billionen auf innerstaatliche Verbindlichkeiten. Seit 2017 hat sich die Gesamtverschuldung damit mehr als verdoppelt und seit der Jahrtausendwende versiebenfacht.
Problematischer als die runde Marke selbst ist die Dynamik dahinter. Das US-Haushaltsdefizit lag in den ersten zehn Monaten des Fiskaljahres 2026 bereits bei 1,8 Billionen US-Dollar, rund 169 Mrd. US-Dollar mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig steigen die Zinskosten immer schneller. Das Haushaltsbüro des US-Kongresses erwartet für 2026 Nettozinsausgaben von mehr als 1 Billion US-Dollar beziehungsweise 3,3 % des BIP.
Damit werden die steigenden Finanzierungskosten zunehmend selbst zu einem Treiber der Verschuldung. Am Anleihemarkt zeigt sich diese Entwicklung bereits in den hohen langfristigen Renditen und einer wachsenden Skepsis gegenüber der US-Fiskalpolitik. Die Marke von 40 Billionen kam jedoch nicht überraschend. Neu ist weniger die Verschuldung selbst als die zunehmende Überzeugung des Marktes, dass Defizite und Zinslast auf diesem Niveau langfristig kaum ohne geldpolitische Unterstützung stabilisiert werden können.
Was der Markt aktuell noch nicht ausreichend einpreist, ist das Dilemma der Fed. Neue QE-Programme würden zwar zunächst Nachfrage nach langlaufenden US-Staatsanleihen schaffen, gleichzeitig aber die Geldmenge wieder ausweiten. Bei hohen Haushaltsdefiziten und weiterhin erhöhten Konsumentenpreisen könnte dies die Inflationserwartungen und die Risikoprämien am langen Ende erneut steigen lassen. Der Versuch, die langfristigen Renditen durch QE zu drücken, könnte damit letztlich den gegenteiligen Effekt haben. Genau deshalb zeigt sich Kevin Warsh gegenüber neuen Anleihekäufen bislang zurückhaltend und favorisiert vielmehr eine kleinere Fed-Bilanz.
Auch der Internationale Währungsfonds sieht für die USA nur wenig Spielraum für eine geldpolitische Lockerung und fordert stattdessen eine schnelle fiskalische Konsolidierung. Nach Berechnungen des IWF wäre eine Verbesserung des Primärsaldos um rund 4 % des BIP notwendig, um die Schuldenquote wieder auf einen fallenden Pfad zu bringen. Ohne Konsolidierung dürfte die US-Staatsverschuldung gemessen am BIP weiter deutlich steigen.
Wie eine solche Bereinigung aussehen kann, zeigt Argentinien unter Javier Milei. Seine Regierung setzte unmittelbar nach Amtsantritt eine fiskalische Anpassung von rund 5 % des BIP durch. Die Primärausgaben fielen 2024 real um rund 30 %, während Argentinien erstmals seit fast zwei Jahrzehnten wieder einen Haushaltsüberschuss erzielte. Der IWF bezeichnete Umfang und Geschwindigkeit dieser Konsolidierung als außergewöhnlich und sieht sie als einen zentralen Faktor für die Stabilisierung der Wirtschaft und die wiedergewonnene Glaubwürdigkeit der Politik.
Ein strukturelles Schuldenproblem lässt sich nicht mit zusätzlicher Liquidität lösen. Neue Anleihekäufe ändern weder das Haushaltsdefizit noch die steigenden Zinskosten des Staates, weshalb ich neue QE-Programme ebenfalls als den falschen Weg sehe.
Der langfristig gangbare Weg wäre deshalb eine konsequente Konsolidierung des US-Haushalts und eine deutliche Reduzierung der Staatsausgaben. Dies wäre kurzfristig schmerzhaft und würde die Konjunktur belasten, den Aktienmarkt in eine Baisse stoßen und die Vermögenspreise in einem deflationären Umfeld belasten, doch langfristig das Vertrauen in die US-Staatsfinanzen und den US-Dollar wieder stärken. Solange dieser Weg nicht eingeschlagen wird, bleibt die Fed in einem Dilemma gefangen. Hält sie die Geldpolitik restriktiv, steigen die Finanzierungskosten des Staates weiter. Monetisiert sie dagegen die Schulden über neue QE-Programme, riskiert sie höhere Inflationserwartungen, später einen starken Anstieg der Inflation und folgend einen erneuten Anstieg der langfristigen Renditen, was die Finanzierungskosten des Staates weiter erhöhen würde. Der letztere Fall wäre hingen sehr bullisch für Vermögenswerte, insbesondere Gold und Silber, weshalb Goldbugs auf dieses Szenario derzeit wetten.
Viel Symbolik, wenig fundamentale Veränderung
So beeindruckend die Rallye des Goldpreises in den vergangenen Wochen auch war, so wenig haben sich die fundamentalen Rahmenbedingungen bislang tatsächlich verändert. Viele der vermeintlich neuen Kaufgründe waren vor allem politische Signale, deren nachhaltige ökonomische Wirkung jedoch gering bis wirkungslos sein dürften.
Dies zeigt sich bereits bei der gemeinsamen Intervention der USA und Japans am Devisenmarkt, die an den fundamentalen Ursachen der Yen-Schwäche nichts ändert. Die Maßnahmen verzögern lediglich eine Anpassung, die bereits seit Jahren im Gange ist. Der Großteil der Yen-Abwertung vollzog sich bereits von 2021 bis 2022. Entscheidend für die weitere Entwicklung des US-Dollar zum Yen bleiben vielmehr die Zinsdifferenz, die japanische Fiskalpolitik und die Geldpolitik der Bank of Japan.
Ähnlich verhält es sich mit den Eingriffen des US-Finanzministeriums am Anleihemarkt. Die angekündigten Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen von mindestens 4 Mrd. $ je Operation sind im Verhältnis zu einem US-Staatsanleihenmarkt von mehr als 32 Billionen US-Dollar verschwindend gering. Deshalb stiegen die Renditen kurz nach der Intervention wieder über das vorherige Niveau, womit der Markt sehr schnell der Politik ihre Grenzen aufzeigte.
Die Rückkäufe ändern nichts an den strukturellen Problemen der USA. Das Finanzministerium kann die Laufzeiten seiner Schulden verschieben und kurzfristig Liquidität in einzelnen Marktsegmenten schaffen, doch weder das Haushaltsdefizit noch die Gesamtverschuldung verschwinden dadurch. Die Maßnahme ist zudem nicht mit QE gleichzusetzen, da keine Notenbank neues Geld schafft und Staatsanleihen monetisiert. Ein strukturelles Schulden- und Defizitproblem lässt sich nicht durch zusätzliche Liquidität lösen. Der Fed sind deshalb zunehmend die Hände gebunden. Anstatt die Märkte zu beruhigen, hatte die symbolische Intervention des Finanzministeriums zusätzliche Sorgen entfacht, dass die steigende Zinslast für die US-Regierung zunehmend zu einem Problem wird.
Auch die Hoffnungen auf eine schnelle Entspannung im Nahen Osten erscheinen bislang überzogen. Anfang August erklärte US-Finanzminister Scott Bessent noch, eine Vereinbarung mit dem Iran zur Öffnung der Straße von Hormus könne möglicherweise innerhalb eines Tages zustande kommen. Auch drei Wochen später gibt es keinen Frieden, die Straße von Hormus ist weiterhin nur eingeschränkt passierbar und der Konflikt bleibt ungelöst. Der jüngste Rückgang des WTI-Preises auf rund 80 $ basiert damit erneut vor allem auf der Hoffnung auf diplomatische Fortschritte. Sollten diese enttäuscht werden und der Ölpreis wieder deutlich ansteigen, könnten auch die Erwartungen an die Fed schnell wieder in die entgegengesetzte Richtung kippen und Zinsanhebungen die Goldrallye konterkarieren.
Auch die dovishe Interpretation der Fed ist fragwürdig. Die Fed beließ den Leitzins zwar unverändert, hielt sich weitere Zinserhöhungen jedoch ausdrücklich offen. Angesichts weiterhin erhöhter Konsumentenpreise und der Gefahr eines erneuten Energiepreisschocks besteht deshalb wenig Grundlage für die Annahme, die Fed stehe unmittelbar vor einer nachhaltigen geldpolitischen Lockerung.
Das Überschreiten der Marke von 40 Billionen $ bei den US-Staatsschulden ist langfristig zweifellos bullish für Gold, stellt kurzfristig jedoch keine neue fundamentale Information dar. Die Gesamtverschuldung ist nicht über Nacht explodiert, sondern das Erreichen dieser Marke war aufgrund der laufenden Defizite seit Monaten absehbar. Der Markt wurde von dieser Zahl nicht überrascht. Neu war vielmehr die Wahrnehmung der Marktteilnehmer und die Bereitschaft der Spekulanten, aus dem längst bekannten Schuldenproblem einen weiteren Kaufgrund für Gold abzuleiten.
Genau darin liegt aktuell das Risiko der Rallye. Die Faktoren, die den Goldpreis in den vergangenen Wochen nach oben trieben, haben bislang kaum eine nachhaltige fundamentale Veränderung herbeigeführt. Die Yen-Intervention und die Treasury-Rückkäufe waren symbolisch, der angekündigte Frieden im Nahen Osten ist bislang ausgeblieben und die Fed hat ihre restriktive Geldpolitik noch nicht aufgegeben. Was sich vor allem verändert hat, ist das Sentiment, das am Goldmarkt mittlerweile wieder sehr bullisch ist.
Erst wenn die Federal Reserve und andere Notenbanken angesichts steigender Finanzierungskosten und wachsender Probleme an den Anleihemärkten tatsächlich einknicken und erneut mit umfangreichen Anleihekäufen sowie einer Ausweitung der Geldmenge reagieren würden, bekäme die Rallye eine neue monetäre Grundlage. Genau dies ist bislang nicht geschehen. Solange die Rallye primär von Erwartungen, politischen Signalen und spekulativen Käufen getragen wird, bleibt sie anfällig für Korrekturen, sobald einer dieser vermeintlichen Kaufgründe vom Markt wieder ausgepreist wird.
Stimmung am Goldmarkt noch immer sehr bullisch
Wie bullisch das Sentiment mittlerweile wieder ist, zeigen die neuesten Terminmarktdaten der US-Terminmarktaufsicht CFTC, die am Freitag veröffentlicht wurden. Diese zeigen, dass die Spekulanten unvermindert stark auf einen steigenden Preis wetten und das Sentiment noch immer sehr bullisch ist für den Gold. Der COT-Index zum Open Interest adjustiert ist mittlerweile wieder im Verkaufsbereich angekommen.
Typischerweise gehen nachhaltige Bodenbildungen am Edelmetallmarkt mit einem überverkauften Terminmarkt, also einem extrem bärischen Sentiment, einher und nicht diametral gegensätzlich mit einem bereits wieder extrem bullischen Sentiment. Der Goldpreis hat in den letzten beiden Wochen mit seinem Preissprung über die 200-Tagelinie und seinen Abwärtstrend zwar ein bullisches charttechnisches Signal geliefert, wogegen der Terminmarkt gleichzeitig bereits wieder überkauft ist und ein Verkaufssignal gibt. Dieser Widerspruch stellt die Nachhaltigkeit der Rallye der vergangenen Woche infrage, weshalb man sich auf eine Korrektur gefasst machen sollte.
Kurzfristige Einschätzung
Die PCE-Preisdaten fielen heute etwas heißer aus als vom Markt erwartet wurde, was kurzfristig den Druck auf die Edelmetalle erhöht. Der Goldpreis scheint aktuell im Bereich um 4.700 $ bis 4.600$ zu toppen und eine Korrektur einzuleiten. Silber erreichte zuvor ein Hoch von fast 70 $ je Feinunze und dürfte einer Korrektur des Goldpreises zunächst folgen.
Dabei ist der Terminmarkt für Gold aktuell deutlich stärker überkauft als jener für Silber. Sollte der Goldpreis zunächst auf rund 4.450 $ korrigieren, hätte Silber Luft für einen Rücksetzer in den Bereich um 65 $ je Feinunze, ohne dass das bullische Chartbild beschädigt würde. Erst ein Rückfall in den ehemaligen Abwärtstrend, den der Silberpreis in der vergangenen Woche überwinden konnte, würde das technische Bild deutlich eintrüben. In diesem Fall wäre zunächst ein Rücksetzer auf rund 60 $ und anschließend möglicherweise bis auf 55 $ wahrscheinlich.
Angesichts des weiterhin sehr bullischen Sentiments dürfte es für eine stärkere Korrektur jedoch zusätzliche politische Impulse benötigen. Beispielsweise ein erneuter Anstieg des Rohölpreises und damit verbundene Sorgen vor steigenden Konsumentenpreisen und höheren Zinsen könnten Gold und Silber stärker unter Druck setzen.
Auch Platin ist zuletzt stark bis auf fast 1.900 $ je Feinunze gestiegen. Angesichts der aktuell wieder steigenden Zinsen erscheint dieser Preisanstieg fundamental jedoch nur unzureichend untermauert. Eine Korrektur in Richtung 1.800 $ und im weiteren Verlauf möglicherweise bis auf 1.700 $ bleibt deshalb in den kommenden Wochen wahrscheinlich.
Technische Analyse Gold: Bei 4.700$ wird die Luft kurzfristig dünn
Terminmarkt: COT-Report
Der COT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die COT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.
COT-Analyse vom 21. August:
Der Goldpreis stieg zur Vorwoche um 38 $, wofür die Spekulanten mit 5,8 Tsd. Kontrakten Long gingen. Das ist neutral. Dementsprechend verschlechterte sich der COT-Index lediglich um 2 Punkte auf 32 Punkte, während der COT-Index zum Open Interest adjustiert auf 0 Punkte fiel.
Damit befinden sich der COT-Index für Gold im Verkaufsbereich und zeigt einen stark überkauften Markt.
Im Vergleich zum Vormonat stieg der Goldpreis von 4.082 $ auf 4.389 $ an, wofür die Spekulanten mit 45 Tsd. Kontrakten Long gingen. Dies zeigt den spekulativen Anteil an diesem Anstieg.
Auch absolut sind die Daten mit einem COT-Index von 32 Punkten überkauft, doch noch aussagekräftiger ist der COT-Index zum Open Interest adjustiert, der mit 0 Punkten weiterhin ein extrem überkauftes Niveau und damit ein Verkaufssignal zeigt.
Fallen die unterstützenden fundamentalen Faktoren weg und steigt der Rohölpreis wieder an, besteht erhebliches Long-Drop-Potenzial und der Goldpreis kann sehr schnell fallen. Stop-Loss Orders sind deshalb extrem wichtig. Beim Bruch signifikanter Unterstützungen bietet sich ein Short-Trade mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis.
Widerstand bei 4.700$ ist kurzfristig ein dickes Brett
Anfang Juni brach der Goldpreis seinen Aufwärtstrend und fiel auf die wichtige Unterstützung bei 4.000 $ je Feinunze zurück. Auf diesem Niveau konsolidierte der Preis über sechs Wochen hinweg. Die Volatilität nahm sukzessive ab an dieser psychologisch wichtigen Marke, die mehrfach getestet wurde. Das Risiko, dass Gold diese Unterstützung nach unten brechen würde, nahm zu, bis Friedensankündigungen und eine Reihe von Meldungen und bullischen Wirtschaftszahlen zu Shorteindeckungen führten.
Der Terminmarkt ist weiterhin überkauft und der zum Open Interest adjustierte COT-Index gibt ein Verkaufssignal, was ein klares Warnsignal ist. Normalerweise sehen wir an zyklischen Tiefpunkten am Goldmarkt eine Übertreibung auf der Short-Seite, die zuletzt vollständig fehlte und das immer noch extrem bullische Sentiment widerspiegelt. Damit steht die aktuelle Rallye auf dünnen Füßen und der Goldmarkt dürfte von Spekulation getrieben sehr volatil bleiben.
Auch die Faktoren, die den Preisanstieg unterstützt haben, könnten lediglich temporärer Natur sein. Die Rallye der letzten drei Wochen wurde primär spekulativ getrieben.
Bei rund 4.700 $ traf der Goldpreis nun auf einen sehr starken Widerstand, der sich aus dem April-Hoch bildet. Alle, die dort auf der falschen Seite erwischt wurden und ihre Positionen gehalten hatten, dürften nun die Chance nutzen, um mit einem blauen Auge ihre Position ohne großen Verlust zu schließen. Deshalb dürfte der Goldpreis auf diesem Niveau zunächst Schwierigkeiten haben und sollte eine Korrektur einleiten. Verkehren sich die zuletzt kurzzeitig bullischen Faktoren hinter der Rallye wieder und eskaliert der Krieg erneut, während sich die Fed wieder hawkisher zeigt, als es der Markt aktuell erwartet, könnte Gold schnell wieder deutlich an Boden verlieren.
Da der Terminmarkt wieder extrem überkauft ist, muss man jederzeit mit einer stärkeren Korrektur rechnen. Die Erleichterungsrallye war schnell und kräftig, doch ohne neue Liquidität durch die Fed dürfte sich diese Dynamik kaum fortsetzen können, weshalb man gerade im Trading vorsichtig agieren sollte.
Bullisch ist hingegen der Sprung über die 200-Tagelinie und den Abwärtstrend, die das Chartbild deutlich aufgehellt haben. Auf der Unterseite liegt die nächste Unterstützung bei 4.450$,
Entscheidend bleibt die weitere Entwicklung des Konflikts im Mittleren Osten. Bei einer erneuten Eskalation und einem Anstieg des Rohölpreises über 100 $ dürfte es der Goldpreis kurzfristig sehr schwer haben und wahrscheinlich erneut stärker korrigieren, womöglich erneut auf 4.200$ je Feinunze. Die heute erscheinenden PCE-Inflationszahlen könnten heißer ausfallen, als es der Markt erwartet, was die Korrektur einleiten könnte.
Goldpreis in Euro: Sprung über die 200-Tagelinie
In der Analyse vor einem Monat schrieb ich: „Solange der Aufwärtstrend intakt bleibt, ist das kurzfristige charttechnische Bild aktuell noch bullisch. Sobald dieser Aufwärtstrend jedoch bricht, öffnet sich jedoch die Falltür und der Goldpreis dürfte relativ schnell um weitere 500 € je Feinunze fallen.“
Einer der Gründe, warum der Goldpreis in der vergangenen Woche so stark auf die bullischen Meldungen reagieren konnte, war die charttechnische Ausgangslage. Sowohl bei Gold in US-Dollar an der wichtigen Unterstützung bei 4.000 $ als auch bei Gold in Euro am mittelfristigen Aufwärtstrend lieferten sich Bullen und Bären über sechs Wochen einen harten Kampf. Entsprechend viele Long- und Short-Positionen hatten sich im Markt aufgebaut. Ein Ausbruch nach unten hätte einen Long-Drop und damit einen starken Preiseinbruch ausgelöst. Der Ausbruch nach oben führte stattdessen zu einem Short-Squeeze und entsprechend kräftigen Kursgewinnen.
Der Goldpreis in Euro konnte mittlerweile über die 200-Tage-Linie ansteigen, die nach dem vorherigen Bruch zuletzt von unten getestet wurde. Bei 4.000 € bis 4.100 € liegt ein sehr starker Widerstandsbereich, der erst einmal standhalten dürfte und von wo aus eine erste Korrektur starten sollte. Nach der starken Rallye, den substanzlosen Treibern, die Gold unterstützten und dem extrem überkauften Terminmarkt, sowie des extrem bullischen Sentiments, ist nun mit einer Korrektur zu rechen. Diese sollte mindestens bis 3.850 € bis 3.900 € laufen und könnte sich später ausdehnen, wenn der Rohölpreis wieder ansteigt und die Fed hawkish bleibt. Kurzfristig ist das Chance-Risiko-Verhältnis für steigende Preise jedenfalls nicht gut und in den nächsten beiden Wochen würde ich eher mit einer Korrektur des starken Rallye rechnen.
Entscheidend bleibt anschließend, ob die Bullen sich nach einer Korrektur erneut durchsetzen können oder der mittelfristige Aufwärtstrend noch einmal getestet wird, was angesichts der Gemengelage durchaus denkbar wäre.
Von entscheidender Bedeutung bleibt dabei die weitere Entwicklung des Rohölmarktes und des Konflikts im Mittleren Osten, da beides erheblichen Einfluss auf die Verbraucherpreise und die Zinsentwicklung hat. Eine erneute Eskalation mit einem Anstieg des Rohölpreises über 100 $ würde den Goldpreis kurzfristig erneut stark belasten und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Korrektur deutlich erhöhen. Dementsprechend sollte man an den aktuellen Widerständen vorsichtig agieren.