Dollar korrigiert – Gold und Inflation steigen - düstere Aussichten für den Euro

30.05.2022 19:59 von Markus Blaschzok

Am Mittwochabend wurde das Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung veröffentlicht, was die schlimmsten Befürchtungen der Marktteilnehmer zerstreute und den Grundstein einer Erleichterungsrallye am Aktienmarkt legte. Dem S&P500, Dow Jones sowie dem DAX gelang es daraufhin am Donnerstag die Abwärtstrends zu überwinden, was kurzfristige technische Kaufsignale erzeugte und nun den Anfang einer mehrwöchigen technischen Gegenbewegung sein könnte.

Das Protokoll der letzten FED-Sitzung war unspektakulär, doch wurde die Inflationsprognose geändert. Man erwartet nun, dass die Teuerung nach dem PCE-Index im Jahr 2022 mit 4,3 Prozent höher ausfallen wird, als bisher erwartet. Für das Folgejahr erwartet man nun hingegen einen deutlicheren Rückgang der Preissteigerungsrate auf 2,5 Prozent in 2023 und auf 2,1 Prozent in 2024. Die Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage in der Wirtschaft sollen sich durch die Verlangsamung der Gesamtnachfrage und die erwartete Lockerung der Angebotsbeschränkungen wieder verringern.

Da die Märkte diese drei kommenden Zinsschritte bereits eingepreist haben, fokussiert man sich nun bereits auf einen Rückgang der Teuerungsrate und eine Stabilisierung der Zinsen im Bereich von 2,5%, was jetzt bereits eine Erholung am Aktienmarkt befeuert. Könnte es daher sein, dass nach drei weiteren Zinsschritten um jeweils 50 Basispunkte bereits das vorläufige Ende des Zinsanhebungszyklus im September gekommen ist?

Angesichts der aktuell hohen Teuerung in den USA von 8,3% ist ein Leitzins bei einem Prozent oder 2,5% im vierten Quartal keine restriktive Geldpolitik, sondern eine ultralockere Geldpolitik. In einer freien Marktwirtschaft sollten und würden die Zinsen mindestens 4% über der Inflationsrate liegen, doch niemals darunter. Aufgrund der zentralistisch planwirtschaftlichen Geldmengensteuerung durch die staatlichen Notenbanken wurden die Zinsen in den letzten 40 Jahren künstlich gedrückt. 

Der US-Leitzins sollte mindestens 4% über der Inflationsrate liegen und nicht 7,3% darunter

Gigantische Fehlallokationen und die Umverteilung von Kapital an den Staat, sowie an begünstigte Unternehmen führten zu einem Nettowohlfahrtsverlust, der nicht hoch genug beziffert werden kann. Ohne die destruktiven wohlstands- und fortschrittsfeindlichen Eingriffe der Notenbanken in den Markt, wäre die Welt heute viel wohlhabender und technologisch Jahrzehnte weiter fortgeschritten. Dass das Drucken von Geld einen positiven Nutzen haben und Wohlstand schaffen würde, ist eines der dümmsten und gleichzeitig am weitesten verbreiteten Irrtümer, das durch ständige Wiederholung in der staatlichen Presse gezielt am Leben erhalten wird.

Solange die Zinsen nicht mindestens vier Prozent über der staatlich ausgewiesenen Teuerung liegen, geschweige denn über der wahren Teuerung, die weitaus höher liegt, ist die Geldpolitik weiterhin ultralocker. Dies ist grundsätzlich bullisch für den Goldpreis.

Die Zinsen können nur unter dem Marktniveau gehalten werden, wenn die Notenbank die Teuerung weiterhin zu niedrig ausweist, durch falsche Prognosen die Forward Guidance beeinflusst und letztlich wieder als Käufer am Anleihenmarkt auftritt. Alles andere führt zu einem weiteren Anstieg der Zinsen und zu einer weiteren Bereinigung der Fehlallokationen, was auch Rezession genannt wird.

Kurzfristig scheint es den Notenbankern jedoch zu gelingen, die Marktteilnehmer an der Nase herumführen, da diese den offiziellen Statistiken und den Inflationsprognosen der Notenbanken noch immer glauben schenken, bzw. sich danach ausrichten. 

Dies erklärt die Bärenmarktrallye am Aktienmarkt und die andauernde Korrektur im Goldbullenmarkt. Es ist charakteristisch für den Beginn eines realen Bärenmarktes, dass Investoren immer wieder die Rücksetzer kaufen, in der Hoffnung die Kurse würden ebenso wie in der Blase zuvor wieder steigen und sich die Rallye fortsetzen.

Ein schwächerer Dollar sorgt aktuell für eine Erholung des Goldpreises

Der Dollar setzte seine Korrektur nach dem Sitzungsprotokoll fort, wobei der USD-Index auf 101,50 Punkte fiel, nachdem er zuvor mit 105 Punkten den höchsten Stand seit 2002 erreicht hatte. Die erwartete Zwischenerholung des Euros, die wir bis in den Bereich bei 1,09$ erwartet haben, läuft seither und der Euro konnte sich kurzzeitig auf 1,077$ erholen.

Aufgrund des schwächeren Dollars konnte der Goldpreis die erste erwartete Zwischenerholung bis zum Widerstand 1.870$ vollziehen, nachdem ich meinen Abonnenten an der Unterstützung bei 1.800$ ein kurzfristiges antizyklisches Kaufsignal, für eine Zwischenerholung bis 1.870$ oder gar 1.900$ im Umfeld eines kurzzeitig schwächeren Dollars, gab.

Leider gründet der aktuelle Preisanstieg primär auf den schwächeren US-Dollar, denn der Goldpreis in Euro klebt immer noch an dem Korrekturtief bei 1.720 Euro je Feinunze. Das bedeutet, dass die Schnäppchenjäger, trotz des Preisrückgangs um 270$, an der Unterstützung bei 1.800$ nicht genügend Nachfrage mitbringen, um ein nachhaltiges Defizit am physischen Markt zu erzeugen. Die Forward Guidance der FED und eine nun mögliche Bärenmarktrallye am Aktienmarkt lenken den Fokus der Investoren aktuell weg vom Edelmetallmarkt.

Nullzinsen und historisch hohe Inflation im Euroraum enteignen Sparer

Während die FED bei den nächsten drei Notenbanksitzungen ihren Leitzins voraussichtlich um jeweils 50 Basispunkte anheben wird, konstatierte EZB-Chefin Christine Lagarde in der letzten Woche diametral gegensätzlich, dass man noch bis Jahresende nicht in der Lage sei den europäischen Leitzins über null Prozent anzuheben. Damit liegt die Tendenz mittelfristig weiterhin auf einem schwächeren Euro und einem stärkeren Dollar, weshalb der Dollar nach der laufenden Zwischenkorrektur seinen Anstieg fortsetzen dürfte. 

Diese Dollarstärke könnte in den kommenden Monaten noch einmal Verkaufsdruck auf die Edelmetallpreise ausüben. Dies könnte uns eine nochmalige Short-Chance und danach einen idealen Long-Einstieg bieten. Man sollte über den Sommer hinweg daher sehr vorsichtig sein und immer einen Stop-Loss im Trading am Edelmetallmarkt platzieren.

An dem großen Bild hat sich hingegen nichts verändert und der Goldbullenmarkt wird sich fortsetzen. Die Teuerung (Inflationsrate) in Deutschland stieg im Mai auf 7,9%, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten mitteilte. Noch im Vormonat April waren die Preise nur um 7,4% zum Vorjahr gestiegen. Nahrungsmittelpreise stiegen dabei um 11% zum Vorjahr, wobei die Lebensmittelhersteller gezwungen waren ihre Preise seit Anfang 2021 im Schnitt um 16,6 Prozent anzuheben. Zuletzt waren die Preise in Westdeutschland 1974 so stark angestiegen. Angesichts dieser Teuerung müssten die Zinsen längst bei über 12% liegen, wobei die Ersparnisse genau um diese Differenz jährlich enteignet werden. Die Importpreise stiegen im Mai sogar um 31,7% an, was ein viel realistischeres Bild auf die wahre Teuerung ermöglich, da die EZB hier den Index nicht einfach harmonisieren und substituieren kann, um so eine künstlich niedrigere Teuerung auszuweisen.

Die Teuerung weltweit ist teilweise so hoch wie zuletzt im zweiten Weltkrieg

Die Preissteigerungen sind primär auf die Verdoppelung der Geldmenge im Euroraum seit 2020 und der Verzehnfachung der Geldmenge seit der Einführung des Euros zurückzuführen, sowie auf die exorbitanten Ausgaben der Bundesregierung bei sukzessiv steigender Aufnahme neuer Schulden. Oft wird behauptet, unsere Kinder müssten diese Schulden irgendwann zurückzahlen, was ein perfider Trick ist, denn in Wahrheit treffen neue Schulden jeden Bürger mit relativ geringer Zeitverzögerung über eine Entwertung der Währung und so über real niedrigere Löhne, höhere Preise und durch Inflation enteignete Ersparnisse. Schulden die der Staat heute macht, merkt jeder selbst schnell im eigenen Geldbeutel.  

Die Notenbanken haben durch das Drucken von Geld ihre Bilanzsummen in den letzten zwanzig Jahren vervielfacht

Natürlich ist Inflation immer ein monetäres Phänomen, an dem immer die eigene Regierung die Schuld trägt. Einzelne Preise können zwar auch kurzzeitig aufgrund exogener Faktoren, wie Lockdowns, Missernten, Lieferkettenabbrüchen oder Sanktionen ansteigen, doch sind das nur vorübergehende Effekte. Sobald die Probleme beseitigt wurden, fallen die Preise real immer zurück auf oder unter das vorherige Niveau. Dauerhaft steigende Preise sind hingegen immer ein monetäres Phänomen und die Schuld daran tragen allein der Staat und seine Notenbank. Die Lockdown-Krise und der Krieg kommen den Verursachern der Inflation jedoch gelegen, da man diese den Menschen gut als Sündenbock verkaufen und von der eigenen Schuld an der Misere ablenken kann.

Die Zinsen werden in den nächsten Jahren weiter ansteigen müssen. Die Gewinne der Unternehmen enttäuschten in den letzten Wochen und werden dies im Umfeld steigender Zinsen auch in den nächsten Jahren. Die US-Neubauverkäufe brachen im April bereits jetzt ein und man mag sich ausmalen, wie stark der Immobilienmarkt erst bei Zinsen von 5% oder 10% einbrechen wird. Neue Häuser werden dann kaum mehr verkauft, während gebrauchte Immobilien in der Stagflation den Markt überschwemmen werden. Auch der US-Einkaufsmanagerindex enttäuschte in der letzten Woche die Erwartungen des Marktes mit 57,5 anstatt der erwarteten 57,3, wobei dieser im April noch bei 59,2 war.

Hoch bleibt hingegen weiterhin der Rohölpreis, der seit 3 Monaten wieder ein deutliches Defizit zeigt, womit alle Rücksetzer immer wieder gute Kaufchancen brachten. Es scheint aktuell so, als könnte sich der Anstieg des Rohölpreises noch fortsetzen und so auch die Inflationsraten höher ausfallen, als es viele heute glauben. Interessant ist, dass die russischen Einnahmen aus den Verkäufen von Rohöl und Gas förmlich explodiert sind durch die Sanktionen, wie folgende Grafik zeigt. Auch wenn die USA den Kauf von russischem Öl gestoppt haben, bleibt es ein weltweiter Markt und Russland einer der größten Produzenten und Exporteure von Rohöl weltweit. Je höher der Rohölpreis steigt, desto attraktiver wird russisches Rohöl und umso höher steigen die Einnahmen des russischen Staates. Infolgedessen konnte der Rubel zum Dollar kürzlich sogar auf den höchsten Stand seit 2015 ansteigen.

Durch die europäischen Sanktionen explodieren die russischen Einnahmen

Europa ist hingegen der große Verlierer der Sanktionen, was die Kaufkraft des Euros nur weiter aushöhlen wird in den nächsten Jahren. Es ist noch nicht einmal ein Silberschweif am Horizont sichtbar, weshalb man sich keine Hoffnung auf eine Rückkehr in Zeiten vor der Lockdown-Krise 2020 machen darf. In den nächsten Jahren werden wir unter dem Strich weiter steigende Zinsen, mehr Inflation und eine fortgesetzte Rezession erleben. Gold bleibt der sichere Hafen für Vermögen in dieser unsicheren Zeit, in der alle anderen Märkte nur noch Risiken aber kaum oder keine Chancen mehr bieten.

Technische Analyse zu Platin: Kurzfristig Chancen für einen weiteren Anstieg – Terminmarkt überverkauft

Terminmarkt: COT-Report vom 30.05.2022

Es gibt eine minimale Schwäche zur Vorwoche, die jedoch nicht der Rede wert ist. Der COT-Index zum Open Interest ist auf 93 gesunken. Auch hier sieht man die Schwäche. Dennoch sind die Daten überverkauft und solange die technische Erholung bei Gold läuft, kann auch Platin weiter ansteigen. Solange dieses Szenario intakt bleibt, sind Rücksetzer Kaufchancen mit Ziel bei 1.000$.

Der zyklische COT-Index ist bereits im Kaufbereich – Angst vor einem starken Long-Drop muss man jetzt nicht mehr haben

Platin hatte wieder die Unterstützung bei 900 US-Dollar erreicht, wo Käufer die Hand aufhielten. Der Platinmarkt war über viele Monate hinweg schwach bis neutral, weshalb der Platinpreis ohne den Goldpreis nirgendwo hingehen konnte und wahrscheinlich auch erst einmal nicht wird. Die erwartete Gegenbewegung bei Gold startete und seither sind die Käufer zurück, auch wenn sich in den letzten 2-3 Wochen eine leichte Schwäche am Platinmarkt zeigte. Solange der Goldpreis stark ist und die Zwischenerholung läuft, solange dürfte Platin auch immer wieder den Widerstand bei 1.000$ anlaufen und testen. Sollte der kurzfristige Abwärtstrend brechen, wäre aufgrund des stark überverkauften Terminmarktes auch mit einem deutlicheren Anstieg über 1.000$ zu rechnen, sofern sich der Goldpreis auch stark hält. 

Sollte der Goldpreis hingegen wieder auf 1.800 US-Dollar fallen und womöglich darunter, dann würde fehlende Nachfrage wahrscheinlich den Platinpreis noch einmal bis in den Bereich von 800 US-Dollar abschmieren lassen. Dort gäbe es dann ein sehr gutes Setup für kurz-, mittel- und langfristige Käufe.

Platin versucht den Abwärtstrend zu verlassen

Langfristige Analyse

Ende 2020 hatten wir mit einem Preisanstieg über den Widerstand bei 1.000 US-Dollar ein Kaufsignal bis 1.350 US-Dollar gegeben und gingen von einer anschließenden Korrektur auf 1.000 US-Dollar aus. Das war nur ein grobes Szenario, das wir aus der fundamentalen Schwäche am Platinmarkt abgeleitet hatten, doch exakt so eintraf.

Seither kämpfen Bullen und Bären um die Unterstützung bei 1.000 US-Dollar je Feinunze. Langfristig dürfte sich im Bereich zwischen 800 US-Dollar und 1.000 US-Dollar ein Boden ausbilden. Wir empfehlen Rücksetzer in den Bereich um die 800 US-Dollar als mittel- bis langfristige Kaufchance zu nutzen. Auch kurzfristig agierende Trader haben dort grundsätzlich ein Setup mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass Platin und Palladium während Rezessionen kurzzeitig auch stark einbrechen können, weshalb ein Stop-Loss der beste Freund kurzfristig agierender Trader ist.

Langfristig zeigt der Chart eine Trendumkehr und ein Ende der langfristigen Abwärtstrends

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